Jahrestagung 1948 Westdeutschland
Festliche Tage in Westdeutschland – Das Osterreffen der Verkehrsfreunde in Westdeutschland kann wohl zweifellos als die größte jemals in Deutschland stattgefundene Veranstaltung dieser Art bezeichnet werden. Wenn die Abwicklung der Tagung sich zu einem unvergesslichen Erlebnis der Verkehrsliebhaber gestalten konnte, so ist dies in besonderem Maße außerdem erneut den hervorragenden Bemühungen unseres Gastgebers, des Verkehrsvereins Duisburg e.V. und den verschiedenen Straßenbahnverwaltungen zu danken, die unser Vorhaben in dankenswerter Weise durch Möglichkeiten von Besichtigungen und Gestellungen von Sonderwagen unterstützt haben.
Von den rd. 45 Teilnehmern wurden während der vier Ostertage nicht weniger als 286 km Straßenbahnfahrten (einschließlich Schnellstraßenbahn und Schwebebahn) zurückgelegt, bei denen ein beträchtlicher Teil dank des Vertrauens, das man in uns legte, die Sonderwagen von uns Straßenbahnfreunden selbst gefahren werden durften. Diese Begünstigungen haben natürlich spontane Begeisterung ausgelöst und machten die Entdeckungsfahrten durch das Bergische Land oder durch den „Kohlenpott“ für manche unter uns zu einem nachhaltigen Erlebnis. Unabhängig davon, daß es an lustigen Zwischenfällen und heiteren Situationen nicht gefehlt hat, kann aber als besonders erfreuliche Tatsache herausgestellt werden, daß die Teilnehmer dieses in der Tat denkwürdigen Treffens viele schöne und wertvolle Erfahrungen gesammelt und eine fast verwirrende Fülle neuer und außergewöhnlicher Eindrücke in sich aufgenommen haben. Das wundervolle Frühlingswetter regte an, daß „kreuz und quer“ fotografiert wurde, und die Bilder zeigen es, daß die Stimmung ausgezeichnet gewesen ist.
Das Treffen nahm vom ersten bis zum letzten Augenblick einen glänzenden Verlauf – es herrschte eine so freundschaftliche und gemütliche Stimmung, die nicht den geringsten Mißton aufkommen ließ, sondern – ganz im Gegenteil – sich beständig steigerte, nachdem die Unterkunfts- und Verpflegungsfrage in einer Weise gelöst wurde, die wohl von keinem der Teilnehmer erwartet worden war. Hinzu kam, daß das vorgesehene Programm in allen Teilen Schlag auf Schlag abgewickelt werden konnte, so daß besonders die auswärtigen, von weither gereisten Freunde aus der Bewunderung und Freude nicht herauskamen. Außer sechs Braunschweiger Freunden waren folgende Städte vertreten: Buxtehude, Esslingen, Göppingen, Hamburg, Hameln, Hanau, Hannover, Heidelberg, Königsberg i. Bay., München, Nürnberg, Oldenburg und – natürlich sämtliche Orte Westdeutschlands mit ihren zahlreichen Getreuen. Selbst zwei Ehefrauen ließen es sich (trotz mehrfacher Warnung!) nicht nehmen, ihre Gatten auf den immerhin anstrengenden Fahrten zu begleiten.
Am ersten Tage (Karfreitag) erreichte die Teilnehmerschar die Schwebebahn-Werkstatt mit den Schnellstraßenbahnen über Düsseldorf. Nach hochinteressanter Besichtigung der Werkstätten dieses einzigartigen Verkehrsmittels und der Einnahme des Mittagessens fanden Fahrten mit Sonderwagen der Schwebebahn, Zahnradbahn und Straßenbahnen auf zahlreichen sehenswerten Strecken des Bergischen Landes statt, die den Freunden die erstaunende Vielfältigkeit des Wuppertaler Verkehrsgebietes offenbarten.
Der Ostersamstag bescherte uns nach kurzer, herzlicher Begrüßung durch den Verkehrsverein im Namen der Stadt Duisburg eine ebenso eindrucksvolle wie lehrreiche Motorbootfahrt durch das weitverzweigte Gebiet der weltbedeutenden Duisburg-Ruhrorter Häfen, der ein prägnanter Vortrag des Herrn Hafendirektors Ring vorausgegangen war. Nach Einnahme einer „deftigen“ Erbsensuppe wurde über den Rhein gesetzt und eine Straßenbahnrundfahrt über Moers, Uerdingen, Krefeld und Düsseldorf angeschlossen, von der besonders die Schnellbahnstrecke Krefeld–Düsseldorf wegen ihres vollbahnähnlichen Charakters auf viele unserer Freunde einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen hat.
Der Ostersonntag stand im Zeichen der Besichtigung des Lokomotivbild-Archivs Bellingrodt in Wuppertal-Barmen mit dem Höhepunkt einer Vorführung von Farblichtbildern herrlichster Motive. Durch die Fülle des dort Gebotenen war natürlich das Bedauern über das frühzeitige Aufbrechen groß, das aber mit Rücksicht auf das in Duisburg wartende Abendessen und den eingeschränkten Sonntagsfahrplan der Reichsbahn unbedingt eingehalten werden mußte.
Der letzte Tag (Ostermontag) brachte eine eingehende Besichtigung der Hauptwerkstätten der Duisburger Verkehrsgesellschaft und schließlich die 78 km lange Rundfahrt mit Straßenbahn-Sonderwagen durch verschiedene Städte des westlichen Ruhrgebietes. Der Weg führte von Duisburg über Mülheim, Essen, Gelsenkirchen, Gladbeck, Bottrop und Oberhausen-Sterkrade zum Duisburger Meterspurnetz über Hamborn und Meiderich an den Ausgangspunkt der Fahrt zurück. Auf dieser Rundreise hatten die Freunde einen Querschnitt aus dem Gesamtnetz der Straßenbahnen Westdeutschlands, wo die verschiedensten Gesellschaften zusammentreffen und an manchen Stellen Wagen mehrerer Städte gleichzeitig zu sehen sind.
Daß an den Übergängen zur Nachbarstadt stets der nächste Sonderwagen pünktlich bereitstand, trug wesentlich dazu bei, daß das Fahrtprogramm eingehalten werden konnte und die Teilnehmer den besten Eindruck über das Gelingen dieser großen Veranstaltung mit heimnahmen.
Nach einem Abschiedsessen, das in Qualität allen anderen während der vier Tage eingenommenen Mahlzeiten nichts nachstand, trennten sich die Freunde, die zu einem gedeihlichen Gedankenaustausch und zu einem persönlichen Kennenlernen zusammengekommen waren, in dem Bewußtsein eines herrlichen, noch lange Zeit nachhallenden Erlebnisses.
Ostertreffen der Freunde des Verkehrswesens in Westdeutschland
Da infolge vorübergehend eingetretener Papierbeschaffungsschwierigkeiten der »S.-B« im Monat Marz möglicherweise nicht rechtseitig versandt werden kann, wird den Freunden, die ihre Teilnahme am Oster-Treffen angemeldet haben, hiermit schon das ungefähre Programm der Veranstaltung bekanntgegeben, wobei evtl. Änderungen noch vorbehalten bleiben müssen, da bei der derzeitigen Lage kaum auf lange Sicht disponiert werden kann.
Karfreitag, 26.3.1948
8.00 Uhr Treffen der Teilnehmer am Hbf. Duisburg (Treppe zur unterirdischen Straßenbahn-Haltestelle).
8.30 Uhr Abfahrt mit Schnellbahnlinie D nach Düsseldorf und Weiterfahrt über Benrath-Hilden-Haan nach Wuppertal-Vohwinkel.
10.30 Uhr Besichtigung der Werkstatt der Schwebebahn.
12.30 Uhr Mittagessen.
13.30 Uhr Fahrten mit der Schwebebahn, Zahnradbahn und Straßenbahnen über interessante Strecken des Bergischen Landes.
19.00 Uhr Abendessen und Rückfahrt nach Duisburg und Beziehen der Quartiere.
Ostersonnabend, 27.3.1948
7.30 Uhr Frühstück
8.00 Uhr Rundfahrt und Besichtigung der Duisburg-Ruhrorter Häfen.
12.00 Uhr Mittagessen in Duisburg-Ruhrort.
13.00 Uhr Fahrt nach Krefeld und von dort mit Schnell-Straßenbahn, nach Düsseldorf. Begehen der neuen Rheinbrücke und Rückfahrt nach Duisburg.
19.00 Uhr Abendessen in Duisburg. Anschliessend Gedankenaustausch nach Belieben und Beziehen der Quartiere.
Ostersonntag, 28.3.1948
Da vermutlich an diesem Tage bei den Nahverkehrsbetrieben in Westdeutschland völlige Betriebsruhe herrscht, muß der Tag für den Eisenbahnverkehr ausgenutzt werden.
6.30 Uhr Frühstück.
7.15 Uhr Abfahrt über Düsseldorf nach Wuppertal, Besuch und Aussprachen im Lokomotivbild-Archiv Bellingrodt.
19.00 Uhr Abendessen in Duisburg.
Anschließend nach Wahl Filmtheater oder Operettenbesuch.
Ostermontag, 29.3.1948
8.00 Uhr Frühstück
9.00 Uhr Fahrt zum Betriebshof Grunewald der Duisburger Verkehrsbetriebe mit Besichtigung der Hauptwerkstätte.
11.30 Uhr Mittagessen in der Werksküche.
12.00 Uhr Abfahrt ab Depot Grunewald mit der Straßenbahn durch verschiedene Städte des Ruhrgebiets.
19.00 Uhr Abendessen und Rückfahrt.
Für den Fall, daß einzelne Teilnehmer am Montag Abend keine Gelegenheit mehr haben, die Rückreise in ihren Wohnort anzutreten, können Quartiere in begrenztem Umfange auch noch für die Nacht zum Dienstag (30.3.) in Anspruch genommen werden. Zweckmässigerweise ist dieser Bedarf jedoch bereits bei der Ankunft in Duisburg bekanntzugeben.
Leider ist es dem Duisburger Verkehrsverein e.V., der sich in liebenswürdiger und großzügiger Art bereit erklärt hat, unser Treffen zu unterstützen und überhaupt zu ermöglichen, nicht gelungen, bereits für die Nacht vom Donnerstag (25.3.) zum Karfreitag (26.3.) Unterkunft zu reservieren, sodaß die Teilnehmer, welche bereits am Abend des Donnerstag in Westdeutschland eintreffen, selbst für eine behelfsmäßige Übernachtung sorgen oder bei in Westdeutschland wohnenden Freunden verbleiben müssen, damit sie am Karfreitag um 8.00 Uhr pünktlich und ausgeruht zur Stelle sein können. Teilnehmer, die aus irgendwelchen Gründen erst im Laufe des Karfreitag eintreffen können, haben die Möglichkeit, die anderen Freunde in Wuppertal (siehe Programm) zu erreichen und sich dort anzuschliessen.
Quartierscheine für die Unterkunft in Duisburg in der Zeit vom 26. bis 29.3. (3 Übernachtungen) werden den Teilnehmern am 1. Veranstaltungstage überreicht, weshalb eine nochmalige rechtzeitige und bestimmte Anmeldung zur Teilnahme gegeben werden muß, damit über die Anzahl der Unterkünfte Klarheit herrscht.
Da die Erhebung einer Umlage dadurch, daß ein Teil der Teilnehmer bei – Bekannten oder Verwandten wohnen kann, und mit Rücksicht auf die in Westdeutschland ansässigen Freunde zu Ungerechtigkeiten führen würde, ist entschieden worden, daß jeder Teilnehmer die Unkosten, die sich bei Durchführung des obigen Programms auf etwa RM 40,- bis RM 50,- belaufen, selbst tragt. Es ist zu hoffen, dass dieser Regelung im Interesse Aller und um keinen Mißton während des Treffens aufkommen zu lassen, Verständnis entgegengebracht wird.
Da vielfältige Möglichkeiten zum Photographieren geboten sind, wird den Teilnehmern empfohlen, sich mit Photoapparaten und Filmmaterial zu bewaffnen. Hoffentlich lacht uns die Sonne!
DER SAMMLER-BRIEF
Stetza
Lokomotivbild-Archiv
Bellingrodt
Gemeinschaftliche Veranstalter
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Ri-Be Gaststätte Inh. Fritz Richter
Wuppertal-Barmen
(Geschlossene Gesellschaft)
Sonderessen am 1. Osterfeiertag 1948
Gedeck RM 2,50
Legierte Frühlingsuppe
Fischsalat mit Brot RM 1,-
Seehecht vom Eis, gesotten, mit Senfcremetunke
Dampfkartoffeln, Maccaronibeilage
verschiedene frische Gemüse
(2F, 5 g Fett, 100 g Nährm., 200 g Kart.)
oder
Deutsches Beefsteak mit Zwiebeltunke auf Maccaroni
Weinkraut, Rotkohl, frischer Spinat
weisse Bohnenbeilage
(50 g Fl., 10 g Fett, 100 g Nährm., 200g Kart.)
Kleine Puddingspeise
Die Suppe, das Vorgericht und der Nachtisch sind in der Markenabgabe der Hauptgerichte eingeschlossen.
Wir wünschen Ihnen einen guten Verlauf Ihrer Tagung und danken Ihnen für Ihren Besuch.
Direktion und Gefolgschaft der Ri-Be Gaststätte
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Anfang April 1948
Westdeutsche Allgemeine Ztg.
Verkehrsfachleute tagten in Duisburg
Das Städtische Verkehrs- und Werbeamt hatte in Gemeinschaft mit dem Verkehrsverein für die Stadt Duisburg zu einer Tagung der Gesellschaft der Verkehrsfreunde eingeladen, die in den letzten Märztagen in Duisburg stattfand. Teilnehmer aus allen Zonen Deutschlands wohnten dieser aufschlußreichen Veranstaltung bei. Stärkstes Interesse fanden die Besichtigung der Duisburger Verkehrseinrichtungen sowie der Duisburg-Ruhrorter Häfen. Auf Fahrten nach Wuppertal, Düsseldorf und Essen lernten die Teilnehmer – auch die dortigen Verkehrseinrichtungen kennen.
Anfang April 1948
Duisburger Mitteilungen
Verkehrstagung in Duisburg
In der Zeit vom 26. bis 29. März fand in Duisburg eine Tagung der Gesellschaft, der Verkehrsfreunde statt, zu der Teilnehmer aus allen Zonen Deutschlands erschienen waren. Mit stärkstem Interesse wurden die Duisburger Verkehrseinrichtungen sowie die Duisburg-Ruhrorter Häfen besichtigt. Vom Tagungsort aus führten Abstecher nach Wuppertal, Düsseldorf und Essen, um auch die dortigen Verkehrseinrichtungen in Augenschein zu nehmen. Die Organisation der Tagung lag in Händen des städtischen Verkehrs- und Werbeamtes sowie des Verkehrsvereins für die Stadt Duisburg e.V.
Anfang April 1948
Neue Ruhr-Ztg.
Interzonentagung der Verkehrsfreunde
In der letzten Woche fand in Duisburg eine interzonale Tagung der Gesellschaft der Verkehrsfreunde statt, an der etwa 45 Mitglieder aus allen Zonen Deutschlands einschl. Berlin teilnahmen. Mit großem Interesse wurden die Duisburger Verkehrseinrichtungen und auf einer Hafenrundfahrt die Duisburg-Ruhrorter Häfen besichtigt. Von Duisburg aus wurden Abstecher nach Wuppertal, Düsseldorf und Essen gemacht um die dortigen Verkehrseinrichtungen in Augenschein zu nehmen. Eine Straßenbahnfahrt führte die Teilnehmer durch das Industriegebiet.
1948
The Bulletin (N.R.H.S.) Nr.4
New Books
It is with real pleasure that we have reviewed the Special English edition of “Transit-Hobby” (Sammler-Brief), published by our German member, Mr. Gunter Stetza, 22 A Essen Ruhr, Henrici st 71. Containing interesting illustrated articles covering steam, electric and model engineering phases of the rail hobby in Germany and elsewhere it is a distinct credit to the publishers of this 8 page paper. One article is of distinct interest to Americans — the “House of David” miniature steam line in Eden Springs, Michigan, near Benton Harbor. This organization, a religious sect, is also known for its baseball team. The line is 15 inches gauge. An article by Harold Geissenheimer on the Branford Electric museum is also of interest. In fact, we found all items of interest to us, as the publication covers the entire field of railroading in many countries.
Im geschützten Mitgliederbereich sind die Scans der Originaldokumente sowie Teilnehmerlisten und ggf. weitere Anlagen aufrufbar!




