Jahrestagung 1962 Kiel
Jahrestagung an der Ostsee – Es steht außer Zweifel, dass der diesmalige Tagungsort und das angekündigte Programm eine besondere Anziehungskraft ausgeübt haben. Trotz der exzentrischen Lage Kiels (die süddeutschen und Schweizer Teilnehmer mussten weit über 1000 km fahren) hatten sich 80 Verkehrsfreunde zu dem traditionellen Treffen eingefunden.
Das Wetter war – mit Ausnahme eines kurzen Regenschauers während der Hafenrundfahrt – sommerlich schön, und die wasserreiche Kulisse der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt gab der Veranstaltung in diesem Jahr ein besonderes Gepräge. Kiel wurde als saubere und vorbildlich wiederaufgebaute Stadt bezeichnet, und die Gastfreundlichkeit der Verkehrsbetriebe trug wesentlich zum Gelingen der Tagung bei.
Am Mittwoch, dem 8. August, fand für die Mitglieder des D.V.V.A. die satzungsgemäße Hauptversammlung mit Neuwahl des Vorstandes statt (ein gesonderter Bericht folgt). Am Vorabend trafen sich die Verkehrsfreunde aus Nah und Fern zu einem zwanglosen Beisammensein, bei dem Begrüßungsworte gesprochen, Tagungsunterlagen ausgegeben und Programmabläufe erläutert wurden.
1. Tag
Wie üblich begann der erste Tag mit einem Besuch des örtlichen Verkehrsunternehmens, der Kieler Verkehrs AG, die sich in dankenswerter Weise bemühte, uns ihre Betriebsanlagen zu zeigen, Sonderfahrzeuge für Exkursionen bereitzustellen, Fahrplan- und Fahrscheinunterlagen sowie Wagenpark-Informationen auszuhändigen und Freifahrscheine zu spendieren.
Nach einem Einführungsvortrag folgte eine Besichtigung von Depot und Werkstatt sowie eine Netzrundfahrt mit einem modernen sechsachsigen Gelenkwagen, bei der unzählige Fotos entstanden. Die Vertreter der Kieler Verkehrs AG erklärten unterwegs Sehenswürdigkeiten und betriebliche Besonderheiten.
Nach einer Mittagspause hatten wir Gelegenheit, den Betrieb der Fördeschifffahrt kennenzulernen – ebenfalls ein Zweig der Kieler Verkehrs AG. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir die zickzackförmige Strecke nach Laboe, wo man das berühmte Marine-Ehrenmal besichtigen oder einfach Kaffee, Kuchen und Ostseeluft genießen konnte.
2. Tag
Der zweite Tag begann mit einem „Bonbon“ – einer Sonderfahrt mit einem Dieseltriebwagen der Kleinbahn Kiel–Schönberg. Es folgte eine Führung durch die Betriebsanlagen, ein Ausflug zum Schönberger Strand und, zur Freude aller, eine unerwartete Bewirtung mit belegten Brötchen und Erfrischungen. Die leitenden Herren der Kleinbahn begleiteten uns persönlich und beantworteten jede Frage mit größter Freundlichkeit.
Am Nachmittag stand eine Besichtigung der Hafenanlagen und der Howaldtswerke AG (Werftbetrieb für Hochseeschiffe) auf dem Programm. Da uns ein eigenes Sonderboot zur Verfügung stand, herrschte beste Stimmung, die auch ein Platzregen nicht trüben konnte.
Im Anschluss fand im Tagungslokal des Gewerkschaftshauses eine Filmvorführung von Tagungsfilmen einiger Verkehrsfreunde statt, die großen Beifall fand.
Auf Beschluss der Mitgliederversammlung sollen solche Filmabende künftig jährlich stattfinden, da sie Einblicke in Verkehrsverhältnisse anderer Städte ermöglichen und zugleich schöne Erinnerungen wecken.
3. Tag
Der dritte Tag brachte den Höhepunkt der Tagung – die Ausflugsfahrt nach Gedser (Dänemark).
Pünktlich um 8 Uhr starteten wir mit einem Sonderbus der Kieler Verkehrs AG Richtung Großbrode, um dort die im Bau befindliche Fehmarnsundbrücke (Vogelfluglinie) zu besichtigen.
Am Kai wartete das imposante Eisenbahnfährschiff „Theodor Heuss“. Während einige Teilnehmer das Schiff erkundeten, fanden andere sofort den Speisesaal – mit dem berühmten „Selbstbedienungsbuffet Europas“. Einige sollen bis zu siebenmal „nachgefasst“ haben – zu einem spottbilligen Pauschalpreis!
Auf Deck wurde flaniert, fotografiert und die würzige Ostseeluft genossen. Nach 3½ Stunden erreichten wir Gedser, wo uns der Bahnhofsvorsteher im Namen der Dansk Statsbaner herzlich begrüßte.
In zwei Gruppen erkundeten wir Lokschuppen, Fahrzeuge und Stellwerke. Danach blieb Zeit für Souvenirs, Postkarten und dänisches Eis, bevor es mit dem Fährschiff „Kong Frederik IX“ zurückging. Das Schiff nahm dabei einen sechsteiligen Eiltriebwagenzug Kopenhagen–Hamburg an Bord – ein beeindruckendes Schauspiel.
Natürlich wurde nochmals das Buffet aufgesucht, um die letzte Gelegenheit vor der Inbetriebnahme der neuen „Vogelfluglinie“ zu nutzen, denn die Verbindung Großbrode–Gedser sollte bald Geschichte sein. Die Rückfahrt auf der ruhig glitzernden Ostsee in den Sonnenuntergang war ein unvergessliches Erlebnis.
In Großbrode wartete bereits der Sonderbus zur Rückfahrt nach Kiel. Da an Bord kein geeigneter Raum für den traditionellen „Tagungsausklang“ vorhanden war, wurde der Dank und Abschiedsgruß kurzerhand per Buslautsprecher übermittelt – samt „Ko-Referat“.
Spät am Abend kehrten wir müde, aber voller Eindrücke und Erlebnisse nach Kiel zurück.
Schluss und Dank
Die Tagung war stark vom Element Wasser geprägt – und das war gewollt. Jeder Teilnehmer war dankbar, einmal etwas völlig anderes gesehen und erlebt zu haben.
Herzlicher Dank gilt allen Unternehmen, die zum Gelingen beitrugen:
- Kieler Verkehrs AG, insbesondere Herrn Dipl.-Ing. K. Amecke
- Kleinbahn Kiel–Schönberg AG
- Kieler Howaldtswerke AG
- Dansk Statsbaner (Hauptverwaltung Kopenhagen)
- Fremdenverkehrsamt der Stadt Kiel (für die freundliche Tagungsmappe)
Auch Presse und Rundfunk berichteten in Wort und Ton über dieses außergewöhnliche Ereignis.
Jahrestagung 1962 in Kiel – Foto-Rundsendung
Wie in allen Jahren zuvor soll auch diesmal eine Rundsendung von der Tagung zusammengestellt werden.
Interessenten, die Fotos beisteuern oder teilnehmen möchten, werden gebeten, ihre Unterlagen bis 15. Oktober 1962 einzusenden, damit die Sendung anschließend in gewohnter Form verschickt werden kann.



