Backpool – Museumsflotte vor dem Aus?

Seit der Eröffnung der modernen Stadtbahn in Blackpool im Jahr 2012 geht es mit den historischen Fahrzeugen dort stetig bergab. Anfangs wurden sie noch gelegentlich eingesetzt; einige Fahrzeuge wurden sogar im Türbereich verbreitert, damit sie auch an den (nicht wirklich sehr hohen) Haltestellen der Stadtbahn halten können. Alle nicht umgebauten Fahrzeuge durften nur in der Nähe der neuen Haltestellen auf dem alten, niedrigen Straßenniveau halten, weil man sonst in den kleinen Spalt hätte „fallen“ können – die Stadtbahnwagen sind eben etwas breiter. Auch die Illuminationsfahrzeuge, die primär im November/Dezember eingesetzt wurden, waren zuletzt außer Dienst.

Nach dem schrecklichen Unfall bei der Stadtbahn in Croydon (London) vor einigen Jahren wurden die Anforderungen an den Betrieb von Schienenfahrzeugen in UK deutlich verschärft. So muss z. B. bei Überschreitung einer vorgegebenen Geschwindigkeitsbeschränkung ein Fahrzeug automatisch gestoppt werden. Die Stadtbahnsysteme im Vereinigten Königreich haben das alle umgesetzt; kleine Museumsbetriebe (die nicht im öffentlichen Raum verkehren) sind aber wohl ausgenommen. Die „Museums“-Flotte in Blackpool hingegen ist hiervon voll betroffen. Nur ganz wenige Fahrzeuge wurden bislang umgebaut und verkehren nach langer Abwesenheit seit Ende letzten Jahres wieder. Sie sind im Betriebshof der Stadtbahn in Starr Gate beheimatet. Eine einfache Wartung kann dort erfolgen, aber wenn etwas kaputtgeht, ist die moderne Werkstatt dort nicht in der Lage, das zu beheben. Diese Arbeiten wurden bisher immer in der Rigby Road (genauer: Blundell Street; dort befindet sich das Werkstattgebäude) durchgeführt. Dort liegt das alte Straßenbahndepot (sowie die Verwaltung und auch das Busdepot).

Wie genau steht es um Rigby Road? Neben dem Verwaltungsgebäude in der Rigby Road (dort liegen keine Schienen) gibt es die angesprochene Werkstatt (Zufahrtsgleise in der Blundell Street) mit Schmiede sowie Reparatur- und Lackierhalle. Dieses Gebäude soll teilweise (der hintere Bereich mit den Reparatur- und Lackiergleisen) abgerissen werden, damit man die Busflotte vollständig auf Elektrobetrieb umstellen kann – man braucht also Platz für Ladestationen. In die große Werkstatthalle ist in den letzten zwei Jahren das Museum „Tramtown“ eingezogen. Hier ist aber nur Platz für drei bis vier Fahrzeuge. Der Rest der Flotte (ca. 40) steht in der alten Abstellhalle am Ende der Hopton Road (direkt nördlich angrenzend befindet sich die Bushalle). Dort war einige Jahre „Tramtown“ untergebracht, aber das Dach ist mittlerweile einsturzgefährdet, und seit Jahren hat hier niemand mehr Zutritt (selbst das Herausrangieren einzelner Fahrzeuge ist gefährlich und erfolgt nur, wenn es unbedingt sein muss). Dort ist auch die Elektrowerkstatt untergebracht. Die Abstellhalle und die Elektrowerkstatt stehen also für den Betrieb der Museumsflotte quasi nicht mehr zur Verfügung.

Die Pläne für das gesamte Depotareal sahen vor, dass die Werkstatt in die Elektrowerkstatt umzieht bzw. mit dieser dort vereinigt wird (und das alte separate Werkstattgebäude anderweitig genutzt werden kann; teilweise soll es ja ohnehin für die Elektrobusse abgerissen werden). Die Abstellhalle sollte restauriert und zum Museum werden. Einige Gleise sollten allerdings herausgerissen werden, damit man mehr Platz für Ausstellungen und Ausstellungsstücke gewinnt und zudem eine Eventfläche eingerichtet werden kann. Das alles ist seit Jahren geplant, aber nichts passiert (und das Dach ist undicht, es regnet herein).

Im letzten Jahr haben rund 40.000 Interessierte das kleine Museum in der Werkstatthalle besucht. Nun wurde im Januar ganz überraschend auch dieses Gebäude gesperrt. Grund ist ein Defekt in einem Stromkabel – es sei so gefährlich, dass niemand mehr das Gebäude betreten darf (weder der Verein, der dort beheimatet ist, noch die Besucher, noch das Werkstattpersonal des Betriebs). Der Verein hatte gehofft, hier Gelder einzunehmen, um dann irgendwann das Museum in der restaurierten Abstellhalle aufnehmen zu können; das ist jetzt geplatzt. Das Areal gehört der Stadt (die auch die Verkehrsgesellschaft besitzt). Seit Jahren gibt es eine Blackpool-Stiftung, die sich um den Erhalt der Geschichte von Blackpool kümmern soll; in den Statuten gibt es auch einen Eintrag zum Betrieb und zur Unterhaltung alter Verkehrsmittel.

Idealerweise sollte nun die Stadt endlich den richtigen Schritt gehen und das alte Depot (alles, was nicht für den Busbetrieb benötigt wird) an diese Stiftung übertragen, damit diese sich um staatliche Förderung und Sponsoren bemühen kann. Man hofft auf Gespräche. Das ist der aktuelle Stand.

Blackpool ist seit Jahren eine sehr arme Stadt; gerade im Bereich um die Rigby Road leben viele sehr arme Einwohner. Die ganze Gegend ist ziemlich heruntergekommen (wenige Geschäfte, Drogenhandel, Kriminalität und nicht zuletzt die niedrigste Lebenserwartung Englands) – und das nur wenige Gehminuten von der Promenade entfernt.

In den vergangenen Jahren gab es auch private Versuche alte Straßenbahnen aufzubewahren. In Fleetwood ist ein Verein (der in das alte damals noch vorhandene Depot der Blackpool & Fleetwood Tramroad einziehen wollte – mittlerweile längst abgerissen) leider kläglich gescheitert, zahlreiche Fahrzeuge (alle Standen lange unter freiem Himmel und litten enstprechend darunter) wurden verkauft (einige kamen aber auch zurück in die Rigby Road). Ein Verein in Blackpool hatte auch zahlreiche Fahrzeuge, die teilweise sogar restauriert wurden und dann an den Betrieb zurückverliehen wurden – jetzt konzentriert man sich aber nur noch auf Busse und die Trams sind wieder in der Rigby Road. Die Eigentumsverhältnisse sind tlw. etwas unübersichtlich. Hier und da im Freien aufgestellte Fahrzeuge in Schulen, auf Campingsplätzen etc. wurden hingegen alle verschrottet. Der Bestand an historischen Fahrzeugen ist heute also niedriger als damals zum Zeitpunkt der Betriebseinstellung (vor der Modernisierung), nicht zuletzt weil eben auch einige verkauft wurden an Sammler und auch Museen.

Hoffen wir, das die verbliebene Museumsflotte überlebt. Die alte Straßenbahn gehört einfach zur Geschichte der Stadt. Sie war die erste elektrische Straßenbahn und auch die letzte im Land. Die ikonischen Stromlinienfahrzeuge aus den 1930er Jahren waren und sind einzigartig, zumindest in diesen Stückzahlen.

 

Translate »

diese Funktion ist gesperrt