Tagungen 1951

1951
Programmentwurf

P r o g r a m m
für die vom 2. bis 4. August 1951 im Raume Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg stattfindende Tagung von Verkehrs-Amateuren.

2.8. (Donnerstag)
Beginn 8.30 Uhr im Wartburg-Hospiz. Mannheim.
Strabrundfahrt Mannheim, Besichtigung des Bundesbahnbetriebswerks Ludwigshafen (Rh.), Strabrundfahrt Ludwigshafen mit Abtransport das Berufsverkehrs der Anilinfabrik, abends Fahrt mit der Rhein-Haardt-Bahn nach Bad Dürkheim, gemütliches Beisammensein und Rückfahrt nach Mannheim.
3.3. (Freitag)
Hafenrundfahrt und Besichtigung des Mannheimer Hafens.
Nachmittags Besichtigung der Waggonfabrik Fuchs Heidelberg, anschliessend nach Wiesloch und Dalldorf. Heidelberg
4.8. (Samstag)
Sonderwagenfahrt der OEG, Oberrheinische Eisenbahn-Gesellschaft, nach Weinheim, Schriesheim, Heidelberg mit Besichtigung. Bergbahnfahrt zum Schloss und Königsstuhl, abends gemütliches Beisammensein auf dem Schloss.

(Änderungen vorbehalten)

4.6.1951
Briefkopie: Deutsche Bundesbahn, Eisenbahndirektion Mainz, Pressediesnst – (22b) Mainz
Besichtigung des Bahnbetriebswerkes Ludwigshafen (Rhein) – Ihr Schreiben vom 17.5.51 – Zeichen 9 Bp 1 Azv.

Ich bestätige mit verbindlichem Dank den Eingang Ihres Schreibens voip 17.v.Mts , mit welchem Sie sich liebenswürdigerweise bereit erklärten, die Besichtigung des Bahnbetriebswerkes Ludwigshafen (Rhein) im Rahmen der von mir geleiteten Veranstaltung im Raume Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg zu gestatten.
Die Besichtigung ist für Donnerstag, den 2. August 1951 in der Zeit von 15,00 bis 17,00 Uhr festgesetzt und ich wäre dankbar, wenn Sie ene Führung der Teilnehmer zu der angegebenen Zeit ermöglichen könnten. Die Teilnehmer werden mit einem Sonderwagen der Strassenbahn bis in die nächste Nähe des Betriebswerkes heranfahren und pünktlich zur Stelle sein.
Wunschgemäss gebe ich Ihnen nachstehend die Namen der Teilnehmer bekannt, wobei geringe Veränderungen durch Nachmeldungen oder Absagen vorbehalten bleiben müssen:

Sollten sie noch irgendwelche Rückfragen haben, so stehe ich Ihnen gern zur Verfügung und empfehle mich zwischenzeitlich

hochachhtungsvoll !

28.7.1951
Briefkopie: Rhein-Neckar-Zeitung Schriftleitung, 17a) Heidelberg, Hauptstrasse 23
Zusammenkunft von Verkehrsamateuren im Raum Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg

In der Zeit vom 2.bis 4.August 1951 findet unter meiner Leitung eine grosse Zusammenkunft von Verkehrsamateuren aus allen Teilen des westdeutschen Bundesgebietes in Raum Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg statt, deren Einzelheiten Sie bitte aus dem in der Anlage beigefügten Programm ersehen wollen. Die Veranstaltung findet in Zusammenarbeit der von mir seit 6 Jahren erscheinenden Amateur-Zeitschrift “Der Sammler-Brief” mit den Verkehrsbetrieben Mannheim, der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft (OEG) und der Heidelberger Strassen-und Bergbahn statt und stellt die zweite ihrer Art nach dem Kriege dar.
(Die erste Tagung fand im März 1948 im Ruhrgebiet statt).
Da ich in der Annahme nicht fehl gehe, dass im Hinblick auf die besondere Eigenart und lokale Bedeutung dieser Zusammenkunft Ihrerseits Interesse besteht, dem Ereignis in Ihrer Zeitung Raum zu geben, bitte ich Sie freundlichst, auf die Veranstaltung hinzuweisen und würde es begrüssen, wenn Sie zu den Rundfahrten, Besichtigungen usw. einen Vertreter entsenden würden. Eine besondere Anmeldung ist nicht erforderlich, es genügt, wenn sich Ihr Vertreter an mich als den Tagungsleiter wendet.
Zu weiteren Auskünften stehe ich Ihnen gern zur Verfügung und empfehle mich Ihnen
mit vorzüglicher Hochachtung !

Anlage: 1 Programm.

NS. Ab 1.8.abends bin ich im Hotel Wartburg-Hospiz, Mannheim, zu erreichen.

1951 (vermutlich Juli)
Programm
Verkehrsfreunde – Treffen in Mannheim vom 1. – 4. August 1951

P r o g r a m m

Mittwoch, den 1. August 1951.
20.00 Uhr: Begrüßung der Teilnehmer und Gäste im Wartburg Hospitz.

Donnerstag, den 2.August 1951.
8.00 Uhr: Zusammenkunft im Straßenbahnbetriebsbahnhof I Collinistr., kurze Besichtigung, anschließend Straßenbahnrundfahrt auf dem Mannheimer Netz nach folgendem Fahrplan:
9.00 Uhr: ab Collinistraße.
9.07 Uhr: an Betriebsbahnhof 2 Hohwiesenstraße, kurze Besichtigung.
9.30 Uhr: ab Hohwiesenstraße nach Sandhofen.
9.52 Uhr: ab Sandhofen nach Hafenbahnstraße.
10.03 Uhr: ab Hafenbahnstraße über Friesenheimerstraße nach der Kammerschleuse.
10.13 Uhr: ab Kammerschleuse nach Feudenheim.
14.42 Uhr: ab Feudenheim Linie 16 nach Rheinau.
11.42 Uhr: ab Rheinau nach Viehhofstraße und nach Straßenbahnbetriebsbahnhof 5, kurze Besichtigung.
12.30 Uhr: ab Halle 5 nach Neuostheim.
12.44 Uhr: ab Neuostheim über Wassertufm, Paradeplatz, Rheinstraße, Luisenring zur Collinistraße.
13.15 Uhr: gemeinsamas Mittagessen im Restaurant “Spatz”
14.30 Uhr: Abfahrt ab Collinistraße nach Ludwigshafen Hauptbahnhof. Mit Triebwagen Bahnsteig 1 zur Besichtigung des Bundesbahnbetriebswerkes Ludwigshafen.
17.00 Uhr: Kurze Rundfahrt über einen Teil des Ludwigshafener Netzes (Anilin-Fabrik, Oppau), dort ab
17.35 Uhr: zum Eilguthof. Von da
18.00 Uhr: Weiterfahrt nach Bad Dürkheim.
Dortselbst Abendessen und gemütliches Beisammensein zusammen mit Vertretern der Straßenbahn und Rhein-Haardt-Bahn.
Rückfahrt spätestens
22.40 Uhr: ab Bad Dürkheim.
23.52 Uhr: an Mannheim Paradeplatz.
Abfahrt der letzten Bahnen, nach allen Richtungen 0.00 Uhr.

Freitag, den 3. August 1951.
9.00 Uhr: vormittags Beginn der großen Hafenrundfahrt in Rheinau, Grassmannstraße unter Führung von Vertretern des staatl. Hafenamtes Mannheim durch sämtliche Hafenanlagen; Ende der Rundfahrt 12 Uhr an der Kurpfalzbrück.
12.15 Uhr: Gemeinsames Mittagessen.
13.40 Uhr: Fahrt mit der OEG ab Kurpfalzbrücke nach Heidelberg, Blücherstraße bezw. Betriebsbahnhof der Heidelberger Straßenbahn.
14.15 Uhr: Fahrt mit Sonderwagfen der Strab zur Waggonfabrik Fuchs, in Heidelberg – Kirchheim.
14.45 – 15.50 Uhr: Fabrikbesichtigung.
15.53 Uhr: Weiterfahrt nach Wiesloch zum Bahnhof der deutschen Eisenbahnbetriebsgesellschaft.
17.53 Uhr: Fahrt mit Triebwagen von Bahhhof Wiesloch nach Bahnhof Wiesloch – Walldorf.
18.00 Uhr: Fahrt mit Straßenbahn von Bahnhof Wiesloch – Walldorf nach Walldorf und Rückfahrt nach Heidelberg.
Gemütliches Abendessen in Heidelberg und anschließend Rückfahrt nach Mannheim.

Samstag, den 4. August 1951.
9.00 Uhr: Abfahrt von Mannheim OEG—Bahnhof Neckarstadt nach Käfertal, dort kurze Besichtigung des 0EG-Betriebsbahnhofes.
9.40 Uhr: Weiterfahrt nach Viernheim und Besichtigung der dortigen 0EG-Werkstätten.
10.30 Uhr: Weiterfahrt nach Weinheim.
11.28 Uhr: ab Weinheim mit Dampfzug nach Schriesheim, kurze Besichtigung der dortigen Bahnanlagen.
12.13 Uhr: Weiterfahrt über die 3-Schienenstrecke nach Heidelberg Güterbahnhof OEG; Besichtigung der dortigen Rollbockanlage.
13.00 Uhr: Gemeinsames Mittagessen in Heidelberg.
14.30 Uhr: Fahrt mit Heidelberger Straßenbahn (Sondertriebwagen) nach Neckargemünd und Rückfahrt nach Heidelberg, Kornmarkt.
Fahrt mit der Bergbahn zum Schloss, Kaffeepause.
Anschließend Weiterfahrt zur Molkenkur und nach dem Königstuhl.

2.8.1951
Mannheimer Morgen
Zusammenkunft von Verkehrsamateuren.

Vom 2. bis 4. August treffen sich Verkehrsamateure aus allen Teilen Westdeutschlands zur Besichtigung von Verkehrseinrichtungen im Raume Mannheim — Ludwigshafen — Heidelberg.

3.8.1951
Mannheimer Morgen
Oeffentliche Verkehrsfragen als Privatpassion – in Mannheim trafen sich Verklehrsamateure des Bundesgebietes

Die Tagung von Verkehrsamateuren vom 2. bis 4. August im Raume Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg, bei der die „Freunde des Verkehrs“, wie sie sich nennen, Verkehrseinrichtungen besichtigen und Erfahrungen auf dem Gebiet des Verkehrswesens austauschen, wurde am Mittwochabend im Wartburg-Hospiz eröffnet. Neben Dr. Irschlinger und Fritz Norkauer aus Mannheim sowie M. Fr. Schneider, Schwetzingen, und Dipl.-Ing. Wilcke, Ludwigshafen, nehmen Verkehrsfreunde aus allen Teilen Westdeutschlands sowie ein englischer Verkehrsamateur an der Zusammenkunft teil.

Günter Stetza, Essen, der die Tagung offiziell eröffnete, konnte unter anderem Oberbaurat Müller und H. Bauer von den Städtischen Verkehrsbetrieben Mannheim als Gäste begrüßen. Er dankte den Verkehrsbetrieben, der Oberrheinischen Eisenbahn-Gesellschaft und der Rhein-Haardtbahn-Gesellschaft für ihre „entgegenkommende Haltung“, ohne die das Treffen nicht hätte zustande kommen können.

Oberbaurat Müller übermittelte den auswärtigen Tagungsteilnehmern den Willkommensgruß der Verkehrsbetriebe Mannheim und der Rhein-Haardtbahn-Gesellschaft, die gestern abend zu einem Imbiß im Winzerverein Bad Dürkheim eingeladen hatte. Er zeigte sich angenehm enttäuscht über das teilweise sehr detaillierte Wissen und die Sachkenntnis der Verkehrsamateure, die hoffentlich eine gute Erinnerung von Mannheim mit nach Hause nehmen würden.

Nach dem Programm gehörte der erste Tagungstag einer kurzen Besichtigung des Straßenbahnbetriesbahnhofs I in der Collinfstraße, einer Straßenbahnrundfahrt auf dem Mannheimer Netz, einem Rundgang durch den Straßenbahnbetriebshof V in der Viehhofstraße, einer Besichtigung des Bundesbahnbetriebswerks Ludwigshafen, einer kurzen Rundfahrt über einen Teil des Ludwigshafener Netzes und einem gemütlichen Beisammensein in Bad Dürkheim.

Heute wollen die Verkehrsamateure eine Hafenrundfahrt unter Führung von Vertretern des Staatlichen Hafenamtes in Mannheim, eine Fahrt mit der OEG nach Heidelberg, eine Besichtigung der Waggonfabrik Fuchs in Kirchheim, eine Fahrt nach Wiesloch zum Bahnhof der deutschen Eisenbahnbetriebs-Gesellschaft sowie nach dem Bahnhof Wiesloch-Walldorf und eine Weiterfahrt von dort nach Walldorf unternehmen, während morgen unter anderem der OEG-Betriebsbahnhof Käfertal, die OEG-Werkstätten in Viernheim, die Bahnanlagen in | Schriesheim, die Rollbockanlage des Heidelberger OEG-Güterbahnhofes besichtigt werden soll.

Die Verkehrsamateure bezeichnen sich als einen losen Zusammenschluß von Privatpersonen, die sich nebenberuflich für den Verkehr, insbesondere für den öffentlichen Personennahverkehr interessieren und an der Lösung von Verkehrsproblemen mitarbeiten wollen. Ihre erste Zusammenkunft wurde 1948 in Duisburg abgehalten, und im vergangenen Jahr weilten sie im Zuge eines Besuchsaustausches mit angelsächsischen Verkehrsfreunden in England. „Diesmal haben wir Mannheim gewählt, weil dieser Raum viele interessante Verkehrsprobleme bietet“, sagte Günter Stetza, der für die Dauer der Tagung als Vorsitzender fungiert und zwei Fachzeitschriften für Verkehrsamateure, „Der Sammlerbrief“ und „Der Nahverkehr“ herausgibt. rob.

3.8.1951
Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg
Die Freunde des Verkehrswesens

Man kann das ganze Verkehrswesen hinnehmen wie ein notwendiges Uebel, man kann aber auch eine Manifestation menschlichen Geistes darin erblicken und schließlich kann man sein Herz darin verlieren. Tatsache! Die Freunde des Verkehrswesens zum Beispiel, die sich ausdrücklich Amateure nennen, haben auf diese Weise ihr Herz verloren. Sie interessiert alles, was mit dem Verkehrswesen, genauer mit der Personenbeförderung zusammenhängt. Eisenbahn, Straßenbahn, Schiff oder Omnibus, sie haben für die Freunde des Verkehrswesens so viel des Wissenswerten, daß sich der Laie überhaupt kein Bild davon machen kann. Die Freunde des Verkehrswesens bilden übrigens keinen Verein, sondern nur eine lose Interessengemeinschaft. Trotzdem geben sie zwei Zeitschriften heraus, die eine heißt „Der Nahverkehr“, die andere „Der Sammler-Brief”. Es wird nämlich auf diesem Gebiet allerhand gesammelt, vornehmlich Fahrscheine und Fahrkarten. Pompöse Sammlungen sind bereits entstanden, ihre Besitzer würden sie nicht gegen ebenso pompöse Briefmarkensammlungen eintauschen.

Im Augenblick befinden sich zahlreiche Freunde des Verkehrswesens in Mannheim, Freunde aus dem Rheinland, aus Braunschweig, aus Hamburg, aus Stuttgart. Sie wollen den Nahverkehr studieren, drei Tage lang, und die entsprechenden Betriebe haben ein reichhaltiges Programm zusammengestellt. Im Rahmen einer kleinen Begrüßungszusammenkunft in Wartburg-Hospiz machte Herr Stetza aus Essen die Honneurs, während Oberbaurat Müller von den Städtischen Verkehrsbetrieben den amtlichen Willkomm entbot. Unter den Freunden saß auch ein amerikanischer Oberstleutnant.

3.8.1951
Generalanzeiger Ludwigshafen
Trittbrett lieferte Gesprächsstoff – Freunde des Verkehrswesens plauderten aus der Schule

Durch die Bank weg kannten sich die Verkehrsfreunde nicht persönlich, die zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Mannheim zusammentreffen. Zwei Verkehrsorgane, der „Sammlerbrief“ und „Der Nahverkehr”, vermittelten jedoch die Neuigkeiten aus dem Gebiet des Verkehrswesens mit gleicher Zuverlässigkeit nach München und Lübeck und stellten so eine Verbindung zwischen den Verkehrsinteressenten dar. Dabei legten die Bezieher dieser „Amateurzeitschrift für die Freunde des Verkehrswesens” Wert darauf, nicht als Mitglieder eines Vereine zu gelten. Geregelte Zusammenkünfte abzuhalten stellte sich infolge der Zerstreuung der Mitglieder auf das gesamte Bundesgebiet ebenfalls als unmöglich heraus.

Ueber das Wochenende jedoch konnte ein Zusammentreffen der Interessenten aus den verschiedensten Teilen des Bundesgebietes organisiert werden. Die Verkehrsfreunde kamen aus Lübeck, Braunschweig, Essen, Gifhorn, Godesberg, Helmstedt,,daneben aber auch aus Ludwigshafen, Mannheim und der Pfalz, um die Verkehrsverhältnisse in dem Städtedreieck Mannheim — Ludwigshafen — Heidelberg kennenzulernen.

Vertreter der Städtischen Straßenbahn und der Rhein-Haardt-Bahn, die ihre Gäste bis einschließlich Samstag durch das umfangreiche Fahrt- und Besichtigungsprogramm begleiten, überbrachten herzliche Grüße der Straßenbahn. Eine Orientierung über das Straßenbahnnetz Mannheim—Ludwigshafen erübrigte sich allerdings in diesem Kreis. Ein Essener jedenfalls verstand beispielsweise, die Endstationen der Straßenbahnlinien mit verblüffender Sicherheit herunterraspeln und zeigte sich durchaus imstande anzugeben, ob und wann Mannheims Straßenbahnen mit einem oder zwei Beiwagen fahren. Die übrigen Gäste unterhielten sich inzwischen über die Einschubverhältnisse auf der Strecke Salzburg—Berchtesgaden, schworen auf die Vorteile von Längs- beziehungsweise Quersitze eines Straßenbahnwagens oder beschäftigten sich eingehend mit der Höhe der Trittbretter in verschiedenen Städten. Aber auch das, was die Verkehrsfreunde so ganz nebenbei in einem verborgenen Winkel des Schreibtischs aufspeichern, fand im Wartburg-Hospiz seine Bewunderer. Nicht zuletzt das Zigarettenetui, das die Rhein-Haardt-Bahn anno 1913 bei der Einweihungsfeier als Erinnerungsgabe neben das Festgedeck gelegt hatte.

3.8.1951
Die Rheinpfalz, Ludwigshafen
Interessantes aus dem Bereich der Längs- und Quersitze – Verkehrsfreunde aus allen Teilen des Bundesgebietes in Mannheim

Nicht wahr, mit der Sammlerleidenschaft hat es seine eigene Bewandtnis. Und je kurioser das Sammlergebiet, um so eifriger bemühen sich die Sammler, diesem Steckenpferd ganz im Verborgenen zu frönen. Ein wenig verschämt ob solcher Zuneigung trug auch ein Mannheimer Jahr für Jahr Fahrpläne und Fahrscheine zusammen, Aufnahmen von Straßenbahnwagen und Zeitungsausschnitte, welche das Befahren neuer Straßenbahnlinien behandelten — kurzum, Dinge, die mehr oder weniger mit dem Verkehr zusammenhingen. Er hütete sich allerdings streng, ein Wort von diesem liebevoll angehäuften Schätzen nach außen dringen zu lassen. Bis er eines Tages erfuhr, daß es eine Vereinigung mit dem Sitz in Essen gab, die über das ganze Bundesgebiet verstreut Hunderte von Angehörigen zählte, die alle den gleichen Interessen huldigten. Unser Mann tat einen Luftsprung. Er hörte sich weiter um und siehe da, es existierten sogar zwei Verkehrsorgane, die ihre Interessenten über alle Neuigkeiten auf dem Gebiet des Verkehrswesens informierten, gleichgültig, ob es sich um Lokomotivwesen, Fahrtausweise, Modellbauten, Verkehrsgeschichte, Fahrpläne oder Stadtverkehr handelte.

Diese Kenntnisse auszutauschen und gleichzeitig ein Kennenleren zu ermöglichen, trafen sich die Verkehrsfreunde nun in Mannheim. Neben zahlreichen Ludwigshafenern und Mannheimern hatten sich eine Anzahl von Interessenten aus Helmstedt, Brachwede, Düsseldorf, Lübeck, Braunschweig oder Gifhorn — um nur einige Orte herauszugreifen — eingefunden, um einige Tage in der Ecke Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg zu verbringen und gleichzeitig diesen verkehrstechnisch äußerst interessanten Raum kennenzulernen,

Vertreter der Städtischen Straßenbahn und der Rhein-Haardtbahn begrüßten die Gäste, mit denen sie von gestern bis einschließlich Samstag das Städtedreieck kreuz und quer zu Wasser und zu Land durchfahren werden. Selbstverständlich berichteten auch sie von den Neuigkeiten aus dem Gebiet der Straßenbahn. Beispielsweise von einer neuen Straßenbahntype, die in Rastatt gebaut und vielleicht schon um die Weihnachtstage auf unserem Netz ihre Antrittsvisite machen wird.

Sonst aber zeigten sich die Verkehrsfreunde ausgezeichnet über die Sachlage orientiert. Redewendungen wie “Berliner” und “Frankfurter Fahrschalter” schwirrten durch die Luft, von den Einschubverhältnissen im Raum Salzburg—Berchtesgaden war die Rede, und die Höhe der Stuttgarter Straßenbahntrittbretter lieferte ebenso reichen Gesprächsstoff wie die Vorteile der Längs- oder Quersitze. Ein Essener schließlich zählte auf Anhieb die Endstationen der Ludwigshafener Straßenbahnlinien auf. Linie 9 — Oppau bis Mundenheim, Straßenbahnwagen Nummer soundsoviel, zu der und der Zeit mit Beiwagen befahren. Fehlte nur noch, daß er das Alter der Schaffnerin hinzugefügt hätte. Was übrigens nicht einmal verwundert hätte. H.

3.8.1951
Allgemeine Zeitung, Mannheim
Verkehrsfreunde loben Mannheims Organisation – Steekenpferde-Ritter haben ein gewichtiges Urteil, das Fachleute schätzen

Daß es Männer gibt, die als Steckenpferd Fahrscheine aus aller Herren Länder, Fahrpläne, Lok-Bilder, die überhaupt alles sammeln, was mit dem Schienenverkehr zusammenhängt, dürfte noch wenig bekannt sein. Sie nennen sich “Freunde des Verkehrswesens” und haben sich in loser Verbindung über das ganze Bundesgebiet zusammengeschlossen. Drei Tage lang sind sie nun Gäste der Städtischen Verkehrsbetriebe. Sie wissen untrüglichen Bescheid über sämtliche Fahrpläne, Schienenführungen, Wagenstärke, ja sogar über die Nummern der einzelnen Wagen und ob sie noch brauchbar sind oder
bald in Reparatur gehen müssen! Eigentümlich — trotzdem sie gewissermaßen „ihre Nase in allem drinhaben“, sind sie bei Verkehrsämtern und den maßgebenden Dienststellen gern gesehen und die Zusammenarbeit mit ihnen ist äußerst angenehm. Denn sie sehen als Laien die Dinge mehr vom praktischen Standpunkt aus, sind auf Verkehrssicherheit und Bequemlichkeit bedacht und geben den verantwortlichen Männern manche verwertbare Anregung, die dem Fachmann bei der Betrachtung des Ganzen einfach entgehen.

Im Wartburg-Hospiz trafen sie sich zu einem kurzen Begrüßungsabend. Bundesvorsitzender Günter Stetza (Essen) entbot den Freunden aus allen Gegenden einen herzlichen Willkommengruß; Oberbaurat Müller (Städt. Straßenbahn) und Baurat Josef Bauer gaben ihrer Freude über ihr Kommen und das Interesse an den Mannheimer Verkehrsverhältnissen Ausdruck. Der gestrige Tag begann mit einer Besichtigung der betriebseigenen Werkstätten der Verkehrsbetriebe, dann mit einer Tagesfahrt über das gesamte Mannheimer und Ludwigshafener Netz. Man war erstaunt über das Wissen der Gäste in fast allen Einzelheiten und die beiden Cicerone mußten sich schon anstrengen vor soviel Wissensdurst der Gäste. Die Abendstunden erforderten schon nicht mehr soviel Mühe, denn da gings nach Bad Dürkheim mit der Rhein-Hardt-Bahn zu einer Besichtigung des dortigen Bahnhofes und anschließend traf man sich gemeinsam in der Winzergenossenschaft. Es gefiel den Männern aus dem gesamten Bundesgebiet in der Pfalz nicht weniger als in Mannheim und seiner übrigen Umgebung. Sie waren über das Gesehene und Gehörte des Lobes voll. Dies Lob war zwar von Laien ausgesprochen, doch bedeutsam, weil es nicht von der Enge beruflicher Rücksichten bestimmt ist.

Von den Mannheimer Verkehrsfreunden sah man Studienrat Dr. Irschlinger, Dr. Abrahamczik von der BASF Ludwigshafen. Reg.-Baumeister Norkauer und amerikanische Freunde, die dem Verkehrsstudium die gleiche Aufmerksamkeit zuwenden. Die heutige Fahrt gilt der Besichtgung des Hafens, anschließend Heidelberg und seiner Umgebung. -ott.

6.8.1951
Rhein-Neckar-Zeitung Mannheim
Technik und Romantik des Verkehrswesens – Mit den „Verkehrsfreunden” auf Studienfahrt

-nn. Die „Freunde des Verkehrswesens” haben Mannheim wieder verlassen, die Stadt, in der sie sich, aus dem ganzen Bundesgebiet kommend, zu gemeinsamem Studium der hiesigen Verkehrsprobleme getroffen hatten. Ihre Erinnerungen werden, so hoffen wir, von Dank an die verschiedenen Gastgeber begleitet sein, die ihnen während der drei kurzen Tage praktisches Anschauungsmaterial und gedanklichen Stoff zur Weiterverarbeitung in Fülle vermittelten.

Als Außenstehender muß man sich erst an die Leutchen gewöhnen. Man hat selbst ein gewisses Verhältnis zur Technik, das des blutigen Laien allerdings, und man kommt in den Gedanken an eine Straßenbahn oder an einen Eisenbahnzug nicht über den Bequemlichkeitsstandpunkt hinaus. Schlimmstenfalls besser schlecht gefahren als gut gegangen, sagt man sich. Anders bei den Verkehrsfreunden. Wenn sie eine Straßenbahn betreten, wird zuerst einmal der Fahrerstand inspiziert, die Bremse ausprobiert, hier und da ein Hebel, ein Rad oder ein Handgriff betätigt, und beim Umsteigen geht im neuen Wagen das gleiche Spiel von vorne an, denn es gibt gar viele Baumuster. Straßenbahn ist eben nicht gleich Straßenbahn, wie der Laie wohl zu denken geneigt ist, wenigstens nicht für die Verkehrsfreunde. Man gerät vollends ins Staunen, wenn sie vor einem Wagen, Baujahr 1903 — oh ja, das gibt es noch —, ihre Kameras zücken und das treue, aber schon ein wenig abgerissene Vehikel im Brustbild und im Profil auf den Film bannen. Mit einer unansehnlichen Lokomotive machen sie es ebenso, und was sie dann noch an diesem oder jenem Gefährt interessiert, bleibt unerfindlich.

Aber daran gewöhnt man sich, wenn man einen Tag mit ihnen unterwegs ist. Zudem sind es liebenswürdige Menschen mit viel Witz. (Als eine Gänseherde dem Autobus die Straße versperrte, rief ein Verkehrsfreund den Schnatterviechern „Ihr Verkehrsfeinde !” zu.). Ziemlich alle Möglichkeiten der zweidimensionalen mechanischen Fortbewegung standen zu Gebote. Das Hafenamt stellte ein Boot und seinen Amtmann Pollack als „Fremdenführer” für eine Rundfahrt durch die Mannheimer Häfen zur Verfügung. Dann war die OEG als Gastgeberin an der Reihe und vertraute die Teilnehmer Ihrem Inspektor Burghardt für eine Fahrt von Mannheim nach Heidelberg an, während derer im Umformerwerk Seckenheim und in der Edinger Wagenhalle zwecks Besichtigung Station gemacht wurde. Betriebsoberinspektor Pfister als Vertreter der Heidelberger Straßenbahn geleitete die Verkehrsfreunde anschließend in einem Sonderwagen zur Waggonfabrik Fuchs in Heidelberg-Kirchheim, wo eine gründliche Besichtigung des Werks die Entstehung der verschiedenen Straßenbahn-, Eisenbahn- und anderer Wagentypen verdeutlichte, die von hier in alle Regionen des Bundesgebietes verschickt werden.

 

Dann begann der romantische Teil der Fahrt, was nicht allein in bezug auf die Landschaft aufzufassen ist. Zunächst hatte sich der Heidelberger Straßenbahn-Sonderwagen bergan nach Wiesloch zu bemühen, wo ein- Zug der Deutschen Eisenbahnbetriebsgesellschaft zur Weiterfahrt nach Bahnhof Wiesloch-Walldorf bereitstand. Von dort ging es mit der Städtischen Straßenbahn Walldorf nach Walldorf, dessen Astoria-Hotel nicht nur Gedanken an feudalsten gastronomischen Luxus erweckt, sondern auch in seinem ländlich duftenden Hinterhof einen spartanischen Holzschuppen als Wagenhalle der Städtischen Straßenbahn birgt. (Diese benutzt heute noch den eingangs erwähnten, 1903 erbauten Motorwagen, den die Verkehrsfreunde konsequent einem modernen Kollegen bei der Beförderung vorzogen.). Zum Schluß — es fehlte noch das Benzin als Triebstoff in der Reihe der Fortbewegungsmittel — trat ein Omnibus in Aktion, der die Gesellschaft zum Ausgangspunkt ihrer Fahrt zurückführte.

7.8.1951
Allgemeine Zeitung Mannheim
Nochmal mit den „Verkehrsfreunden“ unterwegs

Die Frankfurter Mitglieder unter den Verkehrsfreunden, von denen wir bereits ausführlich berichteten, begeisterten sich in Mannheim und Heidelberg im besonderen an der Einrichtung, daß den Rauchern der ganze Anhänger und nicht nur — wie in Frankfurt — die Plattformen zur Verfügung stehen. Sie hoffen, daß sich auch Frankfurt eines Tages zu einer solchen fortschrittlichen Einrichtung bekehren lassen wird. Der OEG-Betrieb imponierte ihnen ungemein. Daß die Fahrt nach Heidelberg auch zur Besichtigung der Fuchs-Waggon-Werke diente, wurde von den Verkehrsfreunden besonders begrüßt. Hier sind zur Zeit auch die neuen OEG-Trieb- und Beiwagen im Bau, von denen der erste im August fertiggestellt sein soll. Bei der Führung durch das über 182 000 qm Fläche umfassende Werk durch Direktor Dr. Gros und Ober-Ing. Schiereck erhielten die Verkehrsfreunde einen Einblick in die gewaltige Leistungsfähigkeit der Fuchs-Waggon, die heute allerdings infolge der Material-Knappheit nur etwa zur Hälfte ausgelastet sind.

Ein Abstecher über Wiesloch nach Walldorf brachte noch die Besichtigung eines „Betriebsbahnhofs“ aus den Urzeiten der Städtischen Straßenbahn Walldorf und eine Fahrt mit dem historischen Triebwagen Nr. I, dieser heute nicht mehr bestehenden Gesellschaft. Die Erläuterungen zum Heidelberger Nahverkehrswesen gab Betriebsoberinspektor Pfister von der Heidelberger Straßenbahn.

10.8.1951
Briefkopie: Herrn Oberbaurat Müller, Verkehrsbetriebe Mannheim, 17a) M a n n h e i m, Collinistr.6
Zusammenkunft der Verkehrsfreunde (ähnliche Briefe gingen an: Badisches Hafenamt, Heidelberger Straßen- und Bergbahn, OEG, Waggonfabrik Fuchs)

Sehr geehrter Herr Oberbaurat !
Nachdem die Zusammenkunft der Verkehrsfreunde im Raume Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg verklungen ist, möchte ich nicht versäumen, den Verkehrsbetrieben Mannheim und der Rhein-Haardt-Bahn, insbesondere aber Ihnen persönlich sowie Herrn Baurat Bauer und Herrn Amtsrat Günther für die so überaus freundliche Aufnahme und das grosszügige Entgegenkommen im Namen aller Teilnehmer meinen verbindlichsten Dank auszusprechen.
Die Verkehrsfreunde sind, übereinstimmend von dem Gebotenen begeistert gewesen und werden sicherlich stets gern an die Tage in Mannheim zurück denken. Ich empfehle mich Ihnen
mit vorzüglicher Hochachtung !

PS: Die mir und Herrn Borchard freundlichst zur Verfügung gestellten Freikarten gebe ich hiermit mit bestem Dank zurück.

11.8.1951
Briefkopie: AZ-Allgemeine Zeitung Mannheim, 17a) Mannheim Schriftleitung
Betrifft Zusammenkunft der Verkehrsfreunde im Raume Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg
(identische Briefe gingen an: Generalanzeiger Ludwigshafen, Mannheimer Morgen, Rhein-Neckar-Zeitung)

Trotz Ihrer bestimmten Zusage, anlässlich, der Presse-Besprechung und -Fahrten mir Belegexemplare zukommen zu lassen, habe ich leider keine Unterlagen über Veröffentlichungen unserer Veranstaltung erhalten. Als Leiter der Tagung konnte ich mich leider nicht um das Erscheinen von Berichten kümmern, habe aber von verschiedener Teilnehmern gehört, dass solche erschienen sind. Ich bitte daher freundlichst, mir, wie zugesagt Belegnummern zu übersenden und empfehle mich

hochachtungsvoll !
Essen, 11.8.1951.

20.10.1951
Briefkopie: Lichtbilder vom Treffen Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg.

Lieber Freund !
Vereinbarungsgemäss sende ich hiermit die Lichtbilder, welche anlässlich des obigen Treffens hergestellt wurden. Es wird gebeten, dieser Sendung keine Bilder zu entnehmen, sondern unter Angabe der Nummer oder der Bezeichnung die Bestellungen bei den Inhabern der Negative direkt aufzugeben. Die Adressen gehen aus der nachstehenden Liste,welche die Reihenfolge der Rundsendung aufzeigt, hervor.
Mit Rücksicht auf die bereits inzwischen vergangene Zeit seit dem Treffen wird im Interesse aller Teilnehmer um sofortige Weitersendung gebeten.
Mit freundlichem Gruss !
Ihr

Anlage


Im geschützten Mitgliederbereich sind wie immer die Scans der Originaldokumente sowie Teilnehmerlisten und oft weitere Anlagen aufrufbar!