Jahrestagung 1961 Nürnberg
In Nürnberg war es wundervoll (die 12. Jahrestagung des D.V.V.A.) – Die diesmaligen Befürchtungen des Tagungsleiters, der Verkehrsraum Nürnberg könne von den Verkehrsfreunden schon ein wenig „abgegrast“ worden sein, erwiesen sich von vornherein als nicht stichhaltig, denn schon am Begrüßungsabend kletterte die Teilnehmerzahl auf die Rekordhöhe von 83. Unsere Jahrestagung stand durchweg im Zeichen einer guten, frohen Laune, umrahmt vom „traditionellen“ Tagungswetter nach vorausgegangenem Regen und Kühlwetter, so dass die anfangs bekanntgegebenen Programmänderungen in keiner Weise diese von den Teilnehmern bereits mitgebrachte Stimmung zu beeinträchtigen vermochten.
Die Presse war in diesem Jahr besonders aktiv – fast ständig befanden sich Vertreter unter uns – und das Echo war eine eingehende, vielseitige und reich illustrierte Berichterstattung. Der Bayerische Rundfunk hatte seinen Kommentar zur Tagung bereits einige Tage zuvor gesendet.
1. Tag
Die VAG Nürnberg hatte uns in meisterhafter Weise ein Sonderfahrten-Programm beschert – mit Sonderfahrplan für sämtliche Teilnehmer und einer wahren „Wundertüte“ mit allerlei Leckerbissen für die Sammlung. Am Vormittag bekamen wir einen vierachsigen Großraumzug, mit dem wir einen Teil des Netzes befuhren und zwei Depots sowie die Hauptwerkstatt ansteuerten.
Besonderer Dank gilt Herrn Robert Binder von der VAG Nürnberg für die organisatorischen Vorbereitungen und Dr. Heinrich Dillmann für seine unermüdliche Lautsprecheransage während der Rundfahrt durch Nürnberg und Fürth, bei der technische und kulturelle Sehenswürdigkeiten gleichermaßen hervorgehoben wurden.
Nicht vergessen sei der Jubel beim Erblicken der eigens aufgebauten „historischen Fahrzeugschau“, die helles Entzücken auslöste – es wurde fotografiert, rangiert, Zugbildung geübt und manchmal auch gebimmelt.
Zum Mittag waren wir Gäste der VAG im Hochhaus am Plärrer – nicht ohne zwei besondere Intermezzi: eine Gruppe blieb kurzzeitig im Paternoster stecken, und vom Dachplateau über dem 14. Stockwerk bot sich ein herrlicher Blick auf den Stadtverkehr am Plärrer, der bald neu gestaltet werden sollte.
Am Nachmittag fand eine Sonderfahrt mit einem zweiachsigen Einrichtungszug statt, die besonders den Unterpflasterstrecken galt – zukunftsweisende Straßenbahnführungen, die schon in den 1930er Jahren angelegt worden waren. Auch hier war die Presse anwesend.
Der Abend stand zur freien Verfügung, doch viele Teilnehmer unternahmen noch gemeinsame Fahrten im Liniennetz bei mildem Sommerabendwetter.
2. Tag
Die Sommersonne brannte schon, als wir uns zur Werksbesichtigung der MAN versammelten. Nach einer Einführung anhand eines großen Werkmodells wurden Gruppen gebildet. Die Führung war hochinteressant und vielseitig; die Herren der MAN beantworteten bereitwillig alle Fragen.
Nach dem Mittagessen in der Werkskantine sahen wir den Dokumentarfilm „Auf Schritt und Tritt“, gefolgt von einem Vortrag über die erste Pferde-Eisenbahn Norddeutschlands von Cottbus nach Schwielochsee, gehalten von Hermann Liebich (Berlin). Danach zeigten die Hamburger Verkehrs-Amateure unter Leitung von Günther Dolezal Kurzfilme aus dem Hamburger Raum sowie Schnappschüsse von der Saarbrücker Tagung 1959.
Es folgte ein Bilderpreisraten, bei dem Buchpreise und DVA-Abonnements ausgelobt waren. Die Fragen erwiesen sich als zu schwer – der Tagungsleiter entschuldigte sich und gelobte, beim nächsten Mal leichtere zu stellen.
Anschließend wurde das Verkehrsmuseum Nürnberg besucht, das extra für uns geöffnet blieb. Wir konnten uns frei zwischen Eisenbahn- und Postkutschen-Exponaten bewegen, begleitet von erklärenden Museumsbeamten. Den Höhepunkt bildete eine Filmfahrt auf dem Führerstand eines SNCF-Triebwagens von Dijon nach Lyon – die Zuschauer schwankten förmlich mit.
3. Tag
Der dritte Tag begann im Lehrstellwerk der Bundesbahndirektion Nürnberg, wo ein anschaulicher Vortrag über die Fernbedienung von Eisenbahnstrecken (z. B. Nürnberg–Regensburg) gehalten wurde. Danach folgte eine praktische Demonstration im Streckenstellwerk.
Im Anschluss begann der traditionelle Ausflugsteil. Wir trafen uns am Bahnhof Erlangen zu einer Fahrt auf der Nebenbahn Erlangen–Eschenau, die kurz zuvor bis Neunkirchen am Brand verkürzt worden war.
Obwohl wir einen fahrplanmäßigen Zug benutzten, gehörte der mit einer Dampflok bespannte Zug „uns“. Die Fahrt auf teils maroden Gleisen war genußreich und lehrreich zugleich. Am Kreuzungsbahnhof Uttenreuth klickten die Kameras unaufhörlich.
In Neunkirchen am Brand gab es eine mehrstündige Pause im Gasthof zur Post, wo Kaffee und Kuchen für die große Schar bereitstanden. Manche nutzten die Zeit zu Spaziergängen entlang der stillgelegten Strecke nach Eschenau. Die Rückfahrt mit einem Schienenbus-Zug verlief in bester Stimmung.
Viele Teilnehmer blieben auch am Sonntag noch in Nürnberg, um ihre Freifahrt der VAG auszunutzen oder die Burg zu besuchen.
Zum Abschluss sprach der Tagungsleiter Dank an alle beteiligten Betriebe aus – besonders:
- VAG Verkehrs-Aktiengesellschaft Nürnberg
- MAN Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG, Werk Nürnberg
- Deutsche Bundesbahn, Bundesbahndirektion Nürnberg
Mitgliederversammlung
In Nürnberg fand am 5. August die 6. ordentliche Mitgliederversammlung des D.V.V.A. statt.
Gemäß Tagesordnung wurden wichtige Fragen erörtert. Das Protokoll und die Mitgliederverzeichnisse wurden den Mitgliedern zugesandt.
Neue D.V.V.A.-Mitgliedsausweise
Die auf der letzten Versammlung genehmigten neuen Ausweise mit farbigen Jahresbeitragsmarken sind inzwischen gedruckt. Sie werden allen Mitgliedern als Quittung zugesandt, die ihren Beitrag für 1961/62 bezahlt haben. Die bisherigen Ausweise verlieren ihre Gültigkeit und müssen an die Geschäftsstelle zurückgeschickt werden.



