Jahrestagung 1958 Ruhr / Wupper

Verkehrs-Amateure vor der Kamera – War schon bei unseren bisherigen Jahrestagungen das Erscheinen von Presse- und Rundfunk-Vertretern zu einem Vorgang geworden, der nichts Ungewöhnliches mehr darstellte und der bereits zu den normalen Begleiterscheinungen unserer jährlichen großen Zusammenkünfte zählte, so konnten unsere Bemühungen, das Wesen und Wirken des Verbandes deutscher Verkehrs-Amateure in noch breitere Kreise der Öffentlichkeit zu tragen, in diesem Jahre von einem schönen Erfolg gekrönt werden: Ein sehr interessierter und aufgeschlossener Fernseh-Reporter erschien, wie vom Himmel gefallen, mit seiner Kamera während der traditionellen Straßenbahn-Rundfahrt unter uns und improvisierte, ohne den Ablauf des Programmes zu beeinträchtigen, zahlreiche Schnappschüsse, zu denen sich die Verkehrsfreunde ebenso gern wie spontan zur Verfügung stellten. Es ging sehr lustig dabei zu, denn in aller Eile mussten “Sammel-Objekte” mancherlei Art herbeigeholt und in geeigneter Form den Fernseh-Kunden noch am gleichen Abend in der Sendung “Hier und heute” mundgerecht vorexerziert werden.

Es wurde ein voller Erfolg und viele von der Jahrestagung heimkommende Verkehrs-Amateure hatten diesmal das Vergnügen, zu Hause als “Fernseh-Stars” empfangen zu werden.

Jahrestagung an der Ruhr – Es war im Hinblick auf den Tagungsort vorauszusehen, dass die Beteiligung in diesem Jahr wieder einen Höchststand erreichte, denn abgesehen davon, dass 10 Jahre vergangen waren, seit die Verkehrsfreunde im Ruhrgebiet “getagt” haben, übt ein so stark verkehrsintensives Gebiet zu jeder Zeit eine besondere Anziehungskraft aus.

So fanden sich diesmal 86 Verkehrs-Amateure aus der Deutschen Bundesrepublik, Holland, England und Schweden am Vorabend unserer Jahrestagung im Gasthof Arnolds, Essen, ein, wo viele ein Wiedersehen feierten, andere wiederum endlich persönliche Bekanntschaft schließen konnten und im Nu ein reges Wortgemenge an Fachsimpelei und Gedankenaustausch anhob. Dass unsere Jahrestagung diesmal auf dem großen Veranstaltungs-Transparent vor dem Essener Hauptbahnhof angekündigt war, ließ schon erkennen, dass uns herzliche und wohlwollende Unterstützung auch von Seiten der Stadt Essen zuteilwurde.

Zum großen Bedauern aller Teilnehmer konnten wegen der immer größer werdenden politischen Schwierigkeiten unsere Verkehrsfreunde aus Mitteldeutschland nach vielen Jahren erstmalig nicht erscheinen, ihre Telegrammgrüße und -wünsche wurden verlesen. Die diesmal sehr reichhaltig ausgefallenen Tagungsunterlagen wurden ausgegeben und Programm-Hinweise mitgeteilt, während der Rest des Vorabends mit zwangloser, gemütlicher Plauderei ausgefüllt war und die wiederum erschienenen Pressevertreter über Sinn und Ablauf unserer Tagung informiert wurden.

Tag 1 – Donnerstag, 7. August 1958

Der traditionelle “Straßenbahn Tag” stand auch in diesem Jahre im Zeichen einer großen Rundfahrt, die sich auf Grund der besonderen Struktur der westdeutschen Verkehrsnetze auf den ganzen Tag erstreckte, wobei Sonderfahrzeuge von vier verschiedenen Verkehrsbetrieben benutzt wurden, mit denen eine “13 Städte-Rundfahrt” von 123 km Länge absolviert wurde.

Wie in jedem Jahre zuvor, wurde auch diesmal ein fühlbarer Mangel bei einer solchen Sonderfahrt dahingehend zum Ausdruck gebracht, dass es der deutschen Waggonbau-Industrie trotz der beachtlichen Schöpfungen im Straßenbahnwagenbau noch immer nicht gelungen sei, einen Typ herauszubringen, der nur aus einer Vorderplattform besteht, denn nur ein solcher ·kann den Wünschen der nicht immer ganz anspruchslosen Verkehrs-Amateure voll Rechnung tragen. So mussten leider auch diesmal zahlreiche Teilnehmer im Innenraum Platz nehmen, während vorn beim Fahrer während der ganzen Reise “Stoßverkehr” herrschte.

Die Rundfahrt begann mit einem modernen sechsachsigen Zwei-Richtungs-Gelenk-Straßenbahnwagen der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG am Porscheplatz in Essen und führte über Steele Kray Gelsenkirchen Wattenscheid zunächst bis zum neuen Hauptbahnhofsvorplatz in Bochum, wo eine halbstündige Pause eingelegt wurde, in deren Verlauf der moderne repräsentative Verkehrsplatz zu einem “Dorado fotografier wütiger Verkehrs-Amateure” gemacht wurde das Wetter war wie immer prachtvoll und animierte zu manchen Schnappschüssen, während die Stimmung der Tagungsteilnehmer ebenfalls glänzend war. Selbstverständlich war es dank der Lautsprecher-Einrichtung, die nun einmal zu einem modernen Straßenbahnwagen gehört, möglich, unterwegs Erklärungen und Streckenhinweise zu geben, so dass die Fahrtteilnehmer über alles Wissenswerte und die Besonderheiten unterrichtet werden konnten.

Weiter ging es nach Herne, wo am Bahnhof wiederum eine halbstündige Pause eingelegt war, um den Verkehrsfreunden Gelegenheit zu bieten, die kleine “Straßenbahn Herne Castrop-Rauxel”, welche bekanntlich zur Umstellung vorgesehen ist, kennenzulernen. Auch dieser Bahnhofsvorplatz erlebte für eine halbe Stunde die “entfesselten Leidenschaften” wissenshungriger Liebhaber der Schiene. Die letzte Etappe mit dem Bochum-Gelsenkirchener Gelenkwagen führte uns bis Recklinghausen, wo bereits der Vestische “Kollege” ein sechsachsiger Zwei-Richtungs-Gelenkwagen gleichen Typs, jedoch mit anderer elektrischer Ausrüstung uns erwartete. Die Tagungsteilnehmer wurden von Herrn Direktor Leffin sowie Herrn Verkehrsoberinspektor Knepper begrüßt, die ihre helle Freude an der spontanen Begeisterung hatten, die mit den 86 Verkehrsenthusiasten nach Recklinghausen gekommen war, denn auch hier wimmelte es für eine halbe Stunde von fotografierenden Leuten aller Altersstufen, dass die Straßenpassanten erstaunt einhielten und verwundert dem ,,seltsamen Gebaren” zuschauten.

Mit dem Vestischen Gelenkwagen ging es zügig auf eigenem Bahnkörper über Sinsen und Hüls zur Endstation bei den Chemischen Werken, wo Mittagspause eingelegt wurde und die Tagungsteilnehmer sich im Feierabendhaus der Chemischen Werke als Gäste der Vestischen Straßenbahnen GmbH betrachten durften. Inzwischen hatte sich ein Fernseh-Reporter zu uns gesellt, der uns mit seinem Pkw unabhängig verfolgte, unterwegs Schnappschüsse tätigte und nun mit einigen “fotogenen Amateur-Gesichtern” im Hof des Feierabendhauses lustige Szenen drehte (siehe Leitaufsatz in diesem Heft). Nach dem vorzüglichen Mittagsmahl, dem Herr Direktor Leffin einen kurzen Fachvortrag über Bedeutung und Entwicklung des Verkehrs bei den Vestischen Straßenbahnen vorangehen ließ, ging die Reise weiter über Marl und Polsum zunächst bis Gelsenkirchen-Euer, wo eine neue kleine Pause eingelegt war, in der der “nimmersatte” Fernseh-Reporter nochmals mehrere “Schüsse” abfeuerte. Nicht zu vergessen sei, dass die Verkehrsfreunde auch bei dieser genussreichen Straßenbahn-Rundfahrt ausgiebig Gelegenheit hatten, unter Bewachung durch einen Fahrmeister ihre Fahrkünste zu erproben, unter denen zum Beispiel “Gesa’s Notbremsung” mit besonderem Applaus quittiert wurde. Von Buer aus ging die Fahrt über Gladbeck Bottrop bis Osterfeld Kirche, wo das Gebiet der Vestischen Straßenbahnen ihren westlichen Grenzpunkt am anschließenden Oberhausener Verkehrsnetz besitzt. In Ermangelung von Großraumfahrzeugen erschien hier ein moderner dreiachsiger Straßenbahnzug, bestehend aus Trieb- und Beiwagen, mit dem die nur 5 km lange Fahrt bis zum Hauptbahnhof Oberhausen vorgenommen wurde, wo nach kurzer Wartezei1 t der elegante, fast lautlos fahrende sechsachsige Einrichtungs-Gelenkwagen der Straßenbahn Mülheim (Ruhr), dem zu unserem Jubel ein vierachsiger Zwei-Richtungs-Großraumbeiwagen angehängt worden war, vorfuhr und uns zum Einsteigen einlud. Ingenieur Löhr von den Stadtwerken Oberhausen sowie Verkehrsinspektor Schütt von den Betrieben der Stadt Mülheim (Ruhr) begrüßten uns sehr herzlich und begleiteten die begeisterte Schar der Verkehrsfreunde auf dem letzten Stück unserer herrlichen und erlebnisreichen Ruhrgebiets-Rundfahrt. Die Reise mit dem modernen Mülheimer Zug über Mülheim Stadtmitte und Heissen nach Essen wurde von allen Teilnehmern einmütig als der ,,Clou” des Tages bezeichnet, denn Geschwindigkeit, ruhiger und stoßfreier Lauf weiches Anfahren und Bremsen sowie die gediegene und komfortable Innenausstattung ließen fast vergessen, sich in einem Straßenbahn-Fahrzeug zu befinden, das oftmals in so unsachlicher und ungerechter Weise als “altmodisch”, “nicht mehr zeitgemäß” oder auch “verkehrsbehindernd” bezeichnet zu werden pflegt.

Am Betriebshof Kruppstraße der Essener Verkehrs AG wurde nochmals eine kurze Pause gemacht, um den Verkehrsfreunden Gelegenheit zu geben, sich auch einmal in einem Depot zu tummeln und 1297 Fotos abzuschießen, zumal dankenswerterweise extra ein “doppeltes Lottchen” aus dem Jahre 1900 dorthin beordert worden war.

Das anschließende Streckenstück wurde zu einer Art “Paradefahrt” durch die Essener Innenstadt und zurück über Rüttenscheid zur Gruga-Schleife, wo der Mülheimer Zug so lange Aufstellung nahm, bis die Verkehrsfreunde die programmgemäße Rundfahrt mit dem Liliputzug durch das sehr umfangreiche und gärtnerisch hervorragend ausgestaltete Gartenschaugelände beendet hatten (während einige sich ,,selbständig” machten, um sich im Fernsehen zu sehen!).

Den Abschluss des Abends bildete ein Empfang der Essener Verkehrs AG in der Gaststätte des “Hauses Hindenburg”, wo uns Herr Dipl.-Ing. Schuler im Auftrage seines Vorstandes auf das herzlichste begrüßte und uns als Gäste der Essener Verkehrs AG willkommen hieß. Lange saßen die Verkehrsfreunde hier noch zusammen, um über Einzelheiten der erlebten eindrucksvollen Rundreise zu diskutieren.

Tag 2 – Freitag, 8. August 1958

Selbstverständlich sollte auch in diesem Jahre der mittlere Tag ein “Eisenbahntag” werden, und so wurde mit einem Besuch der Lokomotivfabrik Fried. Krupp in den frühen Morgenstunden begonnen. Trotz der zurzeit in diesem Werk herrschenden Betriebsferien wurden die Verkehrs-Amateure, deren großes Interesse allgemein bekannt ist, auf das herzlichste empfangen und von einigen leitenden Herren durch die Fertigungsstätten geführt Dabei gab es neben der laufenden Herstellung von Lok für die DB auch interessante Spezialwagen und Maschinen, zu großen Teil für den Export, zu sehen; zu denen uns bereitwilligst Erklärungen gegeben wurden. Mit Rücksicht auf das für den Nachmittag vorgesehene angespannte Programm, das größte Pünktlichkeit voraussetzte, wurde eine längere Mittagspause eingelegt, die von den meisten Teilnehmern in Anbetracht der drückenden Hitze als “wohltuende Erfrischung” bezeichnet wurde. Während dieser Mittagspause fand in kleinstem Kreise ein Rundfunk-Interview in den Gaststätten des Essener Hauptbahnhofs statt, denn auch in diesem Jahre wurde die originelle Zusammenkunft der Verkehrs-Amateure zum Gegenstand einer Reportage gemacht, die am nächsten Tage im UKW in der Sendung “Zwischen Rhein und Weser” gesendet wurde.

Pünktlich um 14.00 Uhr starteten die Tagungsteilnehmer mit einem planmäßigen ET 30, nachdem auf Bahnsteig 5 des Essener Hauptbahnhofs auf Veranlassung der Deutschen Bundesbahn mehrere Gruppenaufnahmen gemacht worden waren. Schon während dieser Fahrt mit einem planmäßigen elektrischen Zuge von Essen nach Dortmund hatten sämtliche Teilnehmer Gelegenheit, kurze Zeit im Fahrerstand zu verweilen und auf diese Weise von diesem modernsten Eisenbahnfahrzeug an der Ruhr beeindruckt zu werden. Bundesbahnoberrat Kumbier und Inspektor Pracaeus von der Bundesbahndirektion Essen hatten es sich nicht nur nicht nehmen lassen, uns auf der nun begonnenen Fahrt zu begleiten, sondern jede aufkommende Frage (und es waren derer nicht gerade wenige) nach bestem Wissen zu beantworten oder an die ,,zuständige Stelle” weiterzuleiten. In Dortmund angekommen, verblieben wir im Zuge, während die “normalen Fahrgäste” aussteigen mussten, denn wir machten eine sogenannte “Leerfahrt” direkt ins Bahnbetriebswerk Dortmund hinein.

Hier wurden wir im Schulungsraum versammelt, damit uns nach einem einleitenden herzlichen Begrüßungswort von Herrn Oberrat Kumbier ein Fachvortrag über Bedeutung der BD Essen und die Elektrifizierung im westdeutschen Industriegebiet unterrichten konnte. Anschließend fand eine sehr lehrreiche Besichtigung aller möglichen Fahrzeug und Lok-Typen statt, die im BW Dortmund beheimatet sind und die von den Verkehrsfreunden nun ausgiebig inspiziert werden durften. Von hier aus brachte uns ein Bahnbus-Zug zum Unterwerk Dorstfeld für die Ruhr-Elektrifizierung, wo den Teilnehmern unter Führung des Herrn Bundesbahn-Assessor Kroll vom Maschinenamt Dortmund ein Überblick über die Betriebsweise dieser modernen Unterstation vermittelt wurde. Dann folgte eine Fahrt mit dem gleichen Buszug zum neuen Bochumer Hauptbahnhof, der von Herrn Bundesbahnrat Buch, dem Vorstand des Neubauamtes Bochum, in einem Rundgang erklärt wurde, während anschließend ein gemütliches Beisammensein mit zünftigem Abend-Imbiss in der im alten Hauptbahnhof nunmehr untergebrachten Bundesbahnschule stattfand. In einer launigen Ansprache des Herrn Oberrat Kumbier kam erneut die große Freude darüber zum Ausdruck, dass Verkehrsfreunde aus nah und fern herbeigekommen waren, um sich über den heutigen Entwicklungsstand des größten deutschen Verkehrsunternehmens zu informieren. In angeregter Stimmung fuhr man gemeinsam mit dem Buszug nach Essen zurück, wo man gegen 21 Uhr noch immer die Gelegenheit hatte (und auch benutzte), auf “eigene Faust” mit Hilfe der Freifahrkarte der Essener Verkehrs AG noch weitere Kilometer hinter sich zu bringen.

Tag 3 – Sonnabend, 9. August 1958

An diesem Morgen mussten die Verkehrsfreunde besonders früh aus den Betten, denn es galt, sich schon in aller Frühe auf dem Porscheplatz in Essen zu versammeln, um eine Sonderfahrt mit einem von der Essener Verkehrs AG zur Verfügung gestellten Anderthalbdeck-Omnibus nach Wuppertal anzutreten. Wieder war das Wetter an diesem traditionellen Ausflugstag prachtvoll und so lernten die Teilnehmer auf dieser Fahrt auch einmal die schöne Seite des Ruhrgebietes, nämlich die wechselvolle hügelige Landschaft des Niederbergischen Landes kennen, nicht ohne dem Fahrzeug selbst, das für viele Verkehrsfreunde ein Novum war, gebührende Aufmerksamkeit zu schenken im “1. Rang” saßen jedenfalls vorwiegend die Liebhaber einer Fernsicht. In Wuppertal-Vohwinkel angekommen, wurden wir auf das herzlichste von Herrn Betriebs-Ingenieur Miller der Wuppertaler Stadtwerke AG willkommen geheißen, der zunächst grundsätzliche Ausführungen zur weltberühmten Schwebebahn machte, während anschließend eine eingehende Besichtigung der Depot- und Werkstattanlagen dieses einzigartigen Verkehrsmittels erfolgte, in deren Verlauf sich die Teilnehmer immer wieder klar machen mussten, dass hier gewissermaßen “alles auf dem Kopf steht”, denn angefangen damit, dass sich die Räder dieses Verkehrsmittels auf dem Dach befinden, stehen alle Arbeitsvorgänge etwa in umgekehrtem Verhältnis zu jenen in einer normalen Straßenbahn- oder Eisenbahn-Werkstatt. Ein Sonderzug der Schwebebahn, bei dem eine neuentwickelte Abfederung einen geräuschärmeren Lauf bewirken soll, brachte die Schar der Verkehrsfreunde über die gesamte, 13,3 km lange Strecke bis zum anderen Endpunkt Oberbarmen und von dort zurück bis zur Station Alter Markt, von wo aus ein kurzer Fußweg zur Talstation der Zahnradbahn unternommen wurde. Auch dieses “antike” Verkehrsmittel, denn es ist die älteste elektrisch betriebene Zahnradbahn Deutschlands erregte die einhellige Begeisterung der Verkehrs-Amateure, denn für etwa 10 Minuten glich der klein e und sonst ruhig daliegende Talbahnhof einer Orgie, die nur die “Eingeweihten” begreifen konnten, während die gewöhnlichen Fahrgäste fassungs- und verständnislos dem Treiben der entzückten und aufgeregten Gesellschaft zusahen. Zwei Sonderwagen wurden uns zur Verfügung gestellt, einer mit noch offenen Plattformen im Originalzustand und ein zweiter mit geschlossenem Aufbau wohl unnötig zu sagen, welcher der beiden Wagen stärker besetzt war. Los ging die Fahrt auf die steile Höhe und die Verkehrsfreunde waren von der einmaligen und erholsamen landschaftlichen Szenerie, welche die Strecke säumt, so fasziniert, dass man einmütig sein Bedauern über den bereits gefassten Entschluss zum Ausdruck brachte, diese schöne Bahn stillzulegen und abzureißen. Oben angelangt, wurden Betriebs- und Depotanlagen der Werkstätte am Toelleturm besichtigt, während schon zwei neue Sonderwagen – zwei vierachsige Straßenbahn-Triebwagen – zur Weiterfahrt nach Ronsdorf bereitstanden. Bis auf den “stehengebliebenen Tagungsleiter” wickelte sich alles fahrplanmäßig ab, sogar das auf eigene Kosten gehende bescheidene Mittagsmahl im Restaurant “Toro” stand fix und fertig zur Einnahme bereit, so dass pünktlich nach Remscheid-Hasten und Solingen. weitergefahren werden konnte. Diese Strecken zeichneten sich gleichfalls durch überaus reizvolle Landschaften aus, während in betriebstechnischer Hinsicht zahlreiche Steigungen, Gefälle, Schneisen, Entgleisungsweichen und Kehrschleifen bei den Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hinterließen. Kurz vor Schluss dieser Fahrt gab es noch einen Straßenbahn-Tunnel zu durchfahren, so dass man wirklich sagen konnte, der Ausflug ins Wuppertaler Gebiet hat für jeden Interessenten etwas, für die meisten aber ungeheuer viel gebracht. In Solingen wartete bereits der Essener Anderthalbdeck-Omnibus auf uns der uns in rascher und bequemer Fahrt wieder zur Ruhrmetropole zurückbrachte, wo im Gasthof Arnolds noch ein gemütlicher Tagungsausklang abgehalten wurde in dessen Verlauf mehrere Dankesreden dargebracht wurden und die am Tage zuvor aufgenommene Rundfunk-Reportage durch den Lautsprecher abgehört werden konnte. Alle Tagungsteilnehmer waren von dem Gebotenen wiederum reichlich beeindruckt, mancher ist noch in Essen oder näherer Umgebung geblieben, weil ja 3 Tage im Ruhrgebiet besonders für jenen, der zum ersten Male in diese verkehrsintensive Gegend gekommen war, gewissermaßen ein “Stich ins Wespennest” gewesen sein muss. Zum Abschluss dieses Berichtes sei allen Betrieben und Dienststellen, die zu dem vorzüglichen Gelingen der schönen Jahrestagung 1958 mit beigetragen haben, nochmals unser allerherzlichster Dank für die weitgehende Unterstützung ausgesprochen, nämlich der Essener Verkehrs AG, der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen AG, der Vestische Straßenbahnen GmbH, den Stadtwerken Oberhausen (Rhld.), den Betrieben der Stadt Mülheim (Ruhr), der Wuppertaler Stadtwerke AG, dem Verband öffentlicher Verkehrsbetriebe (VÖV), der Deutschen Bundesbahn, Bundesbahndirektion Essen, den Maschinenfabriken Friedrich Krupp, Essen, der Stadt Essen, Amt für Wirtschaft und Verkehr, Essen.

Mitgliederversammlung – Als Auftakt zur Jahrestagung fand am Spätnachmittag des 6. August 1958 im Gasthof Arnolds, Essen, die 2. ordentliche Mitgliederversammlung des VDV A statt, die nach folgender Tagesordnung verlief:

  1. Begrüßung und Eröffnung
  2. Verlesung des Geschäftsberichtes
  3. Festsetzung des Mitgliedsbeitrages
  4. Neuwahl der Vorstandsmitglieder
  5. Verlesung von Zuschriften besonderer Art
  6. Sonstiges

Wie im Jahr zuvor, wurde der vom Vorsitzenden verlesene Geschäftsbericht über das abgelaufene Jahr einstimmig genehmigt, während auch der vorgeschlagene neue Mitgliedsbeitrag mit einmütiger Zustimmung gebilligt wurde. Die satzungsgemäß erfolgende Neuwahl der Vorstandsmitglieder führte mit der gleichen Einstimmigkeit zur Wiederwahl des bisherigen Vorstandes:

  • Günter Stetza, Vorsitzender
  • Peter Boehm, stellvertr. Vorsitzender
  • Theodor Alt, Günther Dolezal, Ernst Julius Wolff = übrige Vorstandsmitglieder

so dass der Rest der Mitgliederversammlung mit der Verlesung der im Laufe des Jahres eingegangenen besonderen Zuschriften sowie mit den Stellungnahmen zu diesen ausgefüllt war. Allgemein wurde der Wunsch nach größerer Publizität des VDVA zum Ausdruck gebracht, wofür auch mehrere Vorschläge gemacht wurden, die den Mitgliedern demnächst zur Kenntnis gegeben werden.

Als Ergebnis der diesjährigen Mitgliederversammlung werden die Mitglieder in Kürze folgende Unterlagen erhalten:

  1. Niederschrift über den verlesenen und genehmigten Geschäftsbericht,
  2. Protokoll der Mitgliederversammlung v. 6. 8. 58,
  3. Liste der Mitglieder des Verbandes nach dem Stande vom 1. 8. 58,
  4. Aufforderung zur Überweisung des festgesetzten Mitgliedsbeitrages für das Geschäftsjahr 1958/59 auf das neue, verbandseigene Postscheckkonto Essen Nr. 879 52.

Unmittelbar nach der Mitgliederversammlung bzw. während der anschließenden Jahrestagung haben sich bereits sieben neue Mitglieder hinzugesellt.

Fotos

Hier einige Aufnahmen von Hansgünter Trobisch (Dank an Holger Blaul). Es liegt nur eine sehr kleine Auswahl vor, zumeist aus Wuppertal und einige Busbilder aus Essen. H. Trobisch hat keine Aufnahmedetails notiert, vielleicht erkennt jemand die einzelnen Aufnahmeorte.

  • Wuppertal


↑ (Aufnahmeort nicht bekannt)

↑ Talstation (Bergbahnhof)

↑ Talstation (Bergbahnhof)

Bei den nachfolgenden Fotos aus Wuppertal hatte der Fotograf leider großes Pech, sie sind alle unscharf – aber wenn man sie hier ganz klein zeigt fällt es nicht so auf…


↑ (Aufnahmeort nicht bekannt)

↑ Ausfahrt des Talbahnhofs (genannt Bergbahnhof)

↑ Betriebshof (?)

↑ (Aufnahmeort nicht bekannt)

  • Remscheid

  • Essen


↑ (Aufnahmeort nicht bekannt)

↑ (Aufnahmeort nicht bekannt)

↑ Betriebshof (?)

Translate »

diese Funktion ist gesperrt