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11/2020: Europäische Hauptstädte mit Straßenbahn (Vergleich – Übersicht in polnischer Sprache) … gefunden auf Facebook

Unsere Mitglieder haben auf dieser Seite Zugriff auf diverse gescannte Archivunterlagen: Newsletter, Tagungen, Unterlagen von Hr. Stetza, Wagenakte der HHA und Linktips sowie weitere Beiträge z.B. von Axel Reuther zum Thema “Werner Stock und seine Zeitschrift DER STADTVERKEHR”.

Bei Zeitschriftenbeiträgen, Vereinsblättern und sonstigen Publikationen handelt es sich um urheberrechtlich geschützte Werke, die nur für den privaten Gebrauch genutzt werden und nicht über das Internet weiterverbreitet und auch nicht in sozialen Netzwerken geteilt werden dürfen. Wir bitten um Beachtung!


⇢ Werner Stock auf der VDVA-Tagung 1958 in Syke bei Bremen (Foto: Peter Boehm)

Werner Stock und seine Zeitschrift DER STADTVERKEHR – ein verkehrsgeschichtlicher Blick 64 Jahre zurück
Von 1956 bis 1986 gab Werner Stock in Brackwede bei Bielefeld im Eigenverlag eine Zeitschrift mit dem Namen DER STADTVERKEHR heraus. Der Herausgeber gehörte aber auch im August 1956 zu den Gründungsmitgliedern des VDVA und war somit der Szene der Verkehrsfreunde zuzurechnen.
Wir sind heute in der Lage, unseren Mitgliedern die Inhaltsverzeichnisse aller 30 Jahrgänge seiner Herausgeberschaft und Verlagsführung zugänglich zu machen. Um diese Zusammenstellungen in einen Kontext zu setzen, wollen wir uns auch mit Leben und Werk unseres langjährigen Verbandsmitgliedes zu beschäftigen.
Werner Stock lebte vom 5. Mai 1924 bis 13. Februar 1996, er wurde also leider nur 71 Jahre alt. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Mönchengladbach. Im zweiten Weltkrieg wurde er bereits alt genug, um noch als Soldat eingezogen zu werden. Dabei erlitt er in Russland Verwundungen, die zu zeitlebens schweren Gehbehinderung führte. Die mit seinem Namen identische Gehhilfe, auf die er sich stützen musste, war daher auf allen Bildern, die mit ihm entstanden sind auch sein Erkennungszeichen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte er zunächst in Wiesbaden, ab Juni 1947 dann in Königsberg in Bayern, einem kleinen Ort in Franken in der Nähe von Haßfurt am Main. Stock hatte zu diesem Zeitpunkt in Nürnberg ein Maschinenbaustudium aufgenommen.
Als Verkehrsfreund war er schon früher „aktenkundig“. Bereits ab Juli 1946 gehörte er zu den Beziehern der „Sammlerbriefs“ von Günter Stetza, wie aus den damals dort regelmäßig erscheinenden Meldungen über neue Bezieher zu entnehmen ist. Entgegen den sonstigen Gepflogenheiten, dort auch die besonderen Interessen des Verkehrsfreundes mit anzugeben, fehlt diese Angabe bei Stock. Aus seinen ab den frühen 1950er Jahren entstandenen Bildern lässt sich erkennen, dass er sich grundsätzlich für alles interessierte, was auf Schien fuhr, der Schwerpunkt lag aber eindeutig beim städtischen Nahverkehr. Hier entdeckte er wohl auch seine große Liebe zu den Oberleitungs-/Trolleybussen, welche lebenslag sein Spezialgebiet waren. Hiermit war er lange Jahre zumindest in Deutschland ziemlich alleine, während es in Großbritannien bereits eine sehr aktive Szene von Trolleybusfreunden existierte, die sich auch in Vereinen organisierte.
Schon während seines Studiums war es ihm ein Bedürfnis, seine bei Besuchen der in Deutschland, aber auch den Nachbarländern recht zahlreichen Betriebe gewonnenen Erkenntnisse anderen Verkehrsfreunden und beruflich daran Interessierten mitzuteilen.

Die Zeitschrift DER NAHVERKEHR – eine Plattform auch für Werner Stock
In der im Frühjahr 1950 von Günter Stetza ins Leben gerufenen „Freien Fachzeitschrift für den öffentlichen Personen-Nahverkehr“ mit dem Namen DER NAHVERKEHR, die im bereits seit 1911 existierenden Dortmunder Spezialverlag mit eigener Druckerei von Ernst Arnold herauskam, erschien bereits in Ausgabe 2 vom 15. Mai 1950 die erste Veröffentlichung von Stock zum Thema Obus. Der sechsseitige Leitartikel „Der Obus in Deutschland“ von stud. Ing. Werner Stock, Königsberg/Bay. gab erstmalig einen kompletten Überblick über dieses Verkehrsmittel in beiden Deutschen Staaten mit Stand 1. Januar 1950. Eine Tabelle nannte für alle in der Reihenfolge ihrer Eröffnung aufgelisteten Betriebe, Linienführung, Streckenlänge, Eröffnungsdatum und Fahrzeugbestand mit Herstellerangaben. Angesichts der Informationslage zu jener Zeit ist die Detailfülle des Beitrages beeindruckend und auch bereits mit zahlreichen eigenen Bildern illustriert. Diese Aufstellung bildete die Basis für etliche darauf aufbauende Berichte in der Zeit seiner verlegerischen Tätigkeit zwischen 1956 und 1985. Sie ist auch als Sonderdruck bis in die 1970er Jahre immer wieder aktualisiert und neu aufgelegt worden.
Der Artikel ist als Datei diesen Zeilen angefügt, so dass Sie sich selbst ein Bild von Stocks Erstlingswerk machen können. Das Thema Obus begleitete er in der Zeitschrift auch weiterhin mit Beiträgen bis zu ihrem abrupten Ende im Juni 1953.

Werner Stock – Verkehrsfreund und -fachmann
Nach Beendigung seines Studiums arbeitete Stock, der dann nach Brackwede in Ostwestfalen (heute ein Stadtteil von Bielefeld) umzog als freier Mitarbeiter bei der Waggonfabrik Uerdingen, wo er sich besonders um die Dokumentation und Werbung für dort gebaute Straßenbahnfahrzeuge kümmerte, vor allem aber in seinem Spezialgebiet Obus tätig war und an der Entwicklung und Verbreitung der zusammen mit Henschel ab 1950 entwickelten zweiachsigen Obusse der Bauart „ÜH“ in selbsttragender Bauweise mit beteiligt.
Stock war auch regelmäßiger Teilnehmer an den von Günter Stetza einmal im Jahr veranstalteten Tagungen für Verkehrsfreunde. Auch im Mitteilungsblatt „Sammlerbrief“ gab es immer wieder auch Meldungen von ihm.

Aus DER NAHVERKEHR wird die NAHVERKEHRS-PRAXIS (ohne Stetza)
In der ersten Hälfte 1953 muss es bei der Zeitschrift DER NAHVERKEHR zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Schriftleiter Stetza und Herausgeber Arnold über die Ausrichtung des Blattes gekommen sein. Arnold störte sich offensichtlich daran, dass Stetza häufig Beiträgen von „Amateuren“ aber auch „einfachen“ Mitarbeitern bei Verkehrsbetrieben veröffentlichte und war der Meinung, dass diese dem Ruf einer „Fachzeitschrift“ bei der Leserschaft in Verwaltung und Industrie, also den „Profis“ nicht zuträglich sei. Arnolds Publikation war schon damals nicht alleine auf dem Verkehrssektor und hatte es gegen den „Platzhirsch“ VERKEHR + TECHNIK schwer, der seit Frühjahr 1948 im Erich Schmidt Verlag mit Sitz in Berlin, Bielefeld und Detmold ebenfalls monatlich erschien. „V+T“ hatte sich zum Ziel gesetzt, in die Fußstapfen der im Zweiten Weltkrieg untergegangene renommierte Zeitschrift „Verkehrstechnik“ (VT) zu treten, bot als Zeitschrift für Transportwesen, Verkehrstechnik und Strassenbau ein größeres Themenspektrum und war in Tradition der VT auch das offizielle Organ der ebenfalls 1948 durch Zusammenschluss der in der britischen und amerikanischen Zone entstandenen Verbände der Verkehrsverwaltungen (dem späteren VÖV bzw. VDV), der privaten Eisenbahnen und der Forschungsgesellschaft für Straßenbau.
Arnold nutzte die bevorstehende erste Verkehrsausstellung in München im Sommer 1953 zu einer Neuausrichtung seines Blattes. Die letzte Ausgabe DER NAHVERKEHR erschien kommentarlos im Juni 1953, ab Juli hieß das Blatt NAHVERKEHRS-PRAXIS (NVP) und trug nun den Untertitel „Freie Fachzeitschrift für den Nahverkehr und die Verkehrsindustrie“. Stetza war hier nicht mehr mit von der Partie, ebenso wenig wie zahlreiche Autoren der Vorgängerzeitschrift. Verkehrsgeschichtliche Beiträge gab es nun keine mehr, stattdessen erstreckte sich die Berichterstattung auf den gesamten sehr kleinteiligen organisatorischen, rechtlichen und technischen Bereich von Verkehrsbetrieben und Herstellern. Viele Dinge, die in der „V+T“ schon aus Platzgründen außen vor blieben, konnte in der NVP Raum gewidmet werden. Die Autoren trugen nun auch zum Großteil akademische Titel, wobei sie in der Regel aber auf ihr Fachpersonal im Betrieb zurückgegriffen haben dürften um ein Thema darzustellen. Die Neuausrichtung dürfte gelungen sein, denn die NVP erscheint noch heute monatlich und gilt bei Verkehrsbetrieben und Industrie eine sehr angesehene Fachpublikation mit hohem Informationsgehalt. Gleiches gilt im Übrigen aber auch für die ebenfalls noch am Markt befindliche V+T.

Der Wunsch nach einem weiteren Fachblatt
Auf den Jahrestagungen der Verkehrsfreunde wurde im Kreis der Teilnehmer immer wieder darüber diskutiert, ob am Markt nicht auch noch Platz für ein weiteres Fachblatt sei, welches das Thema Nahverkehr weniger „hochtechnisch“ und damit für bestimmte Interessentenkreise kaum verständlich behandelt, sondern auch die Verkehrsgeschichte und Betriebsdarstellung mit einbezieht um so auch den an der Materie interessierten „Amateur“ anzusprechen, für den es bislang überhaupt keine Periodika gab, sieht man mal vom Sammlerbrief ab, der aber aufgrund von Format und Seitenzahl keinen Raum für größere Beiträge ließ.
Dies ließ Stetza, der als „Verkehrsreferent“ mit Vorträgen und Berichterstatter in zahlreichen Fachzeitschriften in ganz Europa gutes Geld verdiente (was sich aus dem 25 Jahre nach seinem Ableben gesichteten Nachlass mit exakten Einnahmeübersichten ergibt), nicht ruhen. Er hatte den quasi Hinauswurf bei Arnold 1953 nicht verwunden und wollte es den beiden etablierten Fachblättern eigentlich gerne „noch einmal zeigen“. In Stock, der ja seit 1953 publizistisch „heimatlos“ geworden war, da seine Angebote zur Mitarbeit bei V+T und NVP nicht auf Interesse stießen, fand er einen interessierten Mitstreiter. Er wollte damit auch seiner unsicheren freiberuflichen Tätigkeit ein Ende bereiten und durch eine Beschäftigung ersetzen, die ein regelmäßiges und auskömmliches Einkommen versprach um sich und seine Frau zu ernähren. Stock und Stetza, der durch seine Tätigkeit ja wusste, was hier machbar war und finanziell „brachte“ bastelten seit 1955 an einer neuen Fahrzeitschrift. Beide kannten in der Branche genug Personen, mit denen sie über sein Vorhaben sprechen konnten und die sie darin bestärkten, als Verleger und Herausgeber einer eigenen Zeitschrift tätig zu werden. Wichtig erschien zunächst, die Zusagen möglichst vieler Unternehmen zur Schaltung von Anzeigen zu bekommen, aber auch zur Abnahme einer festen Zahl Abonnementen zum Umlauf in ihren Abteilungen. Dies war als feste finanzielle Basis notwendig.
Stetza gründete für die Herausgabe einen Verlag an seinem Wohnsitz in Essen. Es ist aber auch durchaus möglich, dass er dies bereits zuvor getan hatte, denn er bot im Sammlerbrief immer wieder von ihm herausgegebene Publikationen an, die ja in irgendeiner Form steuerlich zu behandeln waren, denn es gab ja noch keinen eingetragenen Verein. Auch die Herausgabe das Sammlerbriefes mit entsprechendem Geldfluss lief, ebenso wie die jährlichen Tagungen ausschließlich über die Privatperson Stetza!

DER STADTVERKEHR wird geboren

Anfang 1956 widmeten sich Stetza und Stock mit Hochdruck der Fertigstellung der ersten Ausgabe ihrer neuen Zeitschrift, der sie den Namen DER STADTVERKEHR gaben. Auf einen Untertitel oder ein Leitmotto wurde dabei bewusst verzichtet. Da die Zeitschrift wie auch die „Konkurrenz“ NVP und V+T monatlich erscheinen sollte, begann die leicht verzögerte Premiere im März mit einer Doppelnummer 1 / 2. Allerdings hatte auch V+T das Debüt 1948 verspätet ebenfalls im März und sogar mit zwei Doppelnummern begonnen, so dass man sich hier in guter Gesellschaft befand. Anders als (naheliegenderweise) bei der NVP war Stetza bei V+T ein eifriger und regelmäßiger Mitarbeiter.
Der Unterschied zu den beiden anderen für den Nahverkehr relevanten Blättern wurde schon in der ersten 40 Seiten umfassenden Ausgabe deutlich: Längere Artikel zu einem Thema, suchte man dort vergeblich und zumeist betraf die Berichterstattung dort einzelne Unternehmen. Unter der Überschrift „1000 Straßenbahn-Großraumwagen auf deutschen Straßen“ wurde auf 13 Seiten ein mit zahlreichen Bildern und Wagenzeichnungen illustrierter Überblick über den aktuellen Stand bei deutschen Straßenbahnbetrieben gegeben, der mit zwei ausführlichen Tabellen seinen Abschluß fand. Über sieben Seiten folgte ebenso ausführlicher Bericht über „Gelenkfahrzeuge im Straßenbahnbetrieb“, welcher mit einer Tabelle am Ende Auskunft über die bereits fahrenden Bauarten Auskunft gab. Weitere vier Seiten widmeten sich den elektrischen Ausrüstungen für Großraumwagen und stellte die Produkte der vier großen Elektrofirmen AEG, BBC, Kiepe und SSW vor. Auch dieser Artikel war mit zahlreichen Abbildungen illustriert. Es fällt auf, dass keiner dieser Berichte mit Namen gekennzeichnet waren und daher von den beiden Schriftleitern erarbeitet worden waren.
Stetza konnte wegen seiner übrigen publizistischen Tätigkeit auf einen großen Fundus an Informationen zurückgreifen. Sein erhalten gebliebener „Tätigkeitsnachweis“ enthält tausende Artikel und Meldungen, die fortlaufend nummeriert waren und auf Papier geklebt in Ordnern abgelegt wurden. Sie erschienen in zahlreichen Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Dort lässt sich erkennen, dass ein Thema (so auch die „1000 Großraumwagen auf deutschen Straßen“) in verschiedener Länge und unterschiedlich angeordnet für verschiedene Veröffentlichungen verwendet wurde, wovon auch DER STADTVERKEHR profitierte ohne dass es großen zusätzlichen Aufwand bedeutete.
Die ständigen Rubriken am Schluss waren mit „Die historische Ecke“, „Aus Werkstatt und Betrieb, „Literaturschau“ und „Kurznachrichten“ überschrieben. Personalia, welche in den beiden anderen Blättern breiten Raum einnahmen, fanden sich in der neuen Zeitschrift nicht. Deren Recherche machten sehr viel Arbeit, so dass Stetza und Stock dieses Feld gerne unbestellt ließen, da es zwar die „Insider“ interessierte, aber die am Thema Nahverkehr interessierte „private“ Leserschaft nicht. Gerade diese versuchte man aber ebenfalls als Abonnenten zu gewinnen.

Auch der VDVA entsteht 1956
In das Jahr 1956 fällt auch die Gründung des „Verbandes deutscher Verkehrsamateure e.V.“ (VDVA). Sie fand, von einem kleinen Kreis der regelmäßigen Teilnehmer an den Tagungen vorbereitet, recht überraschend im August während der Stuttgarter Jahrestagung statt. Mehrere der daran Beteiligten hatten Stetza gedrängt, den „Einmannbetrieb“ aus haftungsrechtlichen und finanziellen Gründen auf die sichere Basis eines eingetragenen Vereines zu stellen. Folgende Personen setzten ihre Unterschrift unter das Protokoll der Gründungsversammlung (in alphabetischer Reihenfolge, Wohnort in Klammern): Theodor Alt (Stuttgart); Peter Boehm (Düsseldorf); Heinrich Dillmann (München); Günter Dolezahl (Hamburg); Walter Steinberger (Frankfurt); Günter Stetza (Essen) und Werner Stock (Brackwede).

Die ersten Jahre der Zeitschrift
Doch zurück zur Zeitschrift DER STADTVERKEHR: Gedruckt wurde die Zeitschrift in Bielefeld, so dass hier Stock die Oberaufsicht hatte. Auch in den folgenden zwei Jahren erschien jeweils eine Ausgabe als Doppelnummer (9-10/1957 und 11-12/1958), ehe dann ab 1959 die Erscheinungsweise mit zehn Ausgaben mit Doppelheften im Mai/Juni und November/Dezember zur Regel wurde. Die Auflage stieg stetig, das Anzeigenvolumen wuchs, bereits ab August 1958 konnte auch die bislang freie Rückseite damit bedruckt werden. In späteren Jahren war diese Seite dann dem recht umfangreichen Angebot an Sonderdrucken von Artikeln aus der Zeitschrift vorbehalten. So kam der Verlag auch jenen Lesern entgegen, die spezielle Interessen pflegten und daher nicht die Zeitschrift einzeln kaufen oder abonnieren wollten. Im Juni 1958 wechselte die Druckerei, die aber weiterhin in Bielefeld saß. Bessere Maschinen führten dabei auch zu einer höheren Druckqualität, ab Anfang 1959 auch im Innenteil auf hochweißem Papier.
Der Umgang mit Stetza, aber auch mit Stock wird von alten VDVA Mitgliedern als „zuweilen nicht ganz einfach“ beschrieben. Davon zeugen auch erhalten gebliebene Briefe. Die Zusammenarbeit beider derart beschriebenen Charaktere dürfte daher ebenfalls darunter gelitten und letztlich dazu geführt haben, dass Stetza im Herbst 1959 als Herausgeber und Verleger ausstieg. Ab dem Doppelheft 11/12 war Stock alleiniger Schriftleiter und es gab an seiner Adresse einen neuen Verlag mit dem Namen der Zeitschrift. Dem VDVA hat Stock dann Ende 1967 den Rücken gekehrt, wohl ebenfalls wegen einem Disput mit dem Verbandsvorsitzenden Stetza.

DER STADTVERKEHR in den Jahren 1960 bis 1985
Der schon in den 1950er Jahren bewährte Themenmix wurde bei steigendem Seitenumfang über 26 Jahre mit jeweils zehn Heften im Jahr bei zwei Doppelausgaben beibehalten. Die Zahl der Autoren nahm ständig zu, wobei sich „Fachleute“ aus Verkehrsbetrieben und Industrie sowie „Hobbyisten“ in etwa die Waage hielten. Aber auch in der zweiten Kategorie, gab es besonders für historische Themen etliche Spezialisten mit profunden Beiträgen. Es war Stock immer ein Anliegen, auch einen „Blick über den Tellerrand“ zu werfen und für eine internationale Berichterstattung zu sorgen. Besonders für die Länder „jenseits des eisernen Vorhanges“ sorgte er zumeist mit Hilfe von Mittelsmännern dafür, dass objektiv und ausführlich von dort berichtet werden konnte. Die Namen der tatsächlichen Informanten blieben dabei außen vor um sie vor Schwierigkeiten zu schützen. Das galt ganz besonders für die DDR, aber auch die CSSR. Jährliche Lieferverzeichnisse von Tatra-Straßenbahnen und Skoda-Obussen erschienen zuverlässig über einen langen Zeitraum. Stock hat durch seinen eigenen Werdegang veranlasst aber auch immer Beiträgen von Verkehrsfreunden Platz eingeräumt und als zuverlässige Berichterstatter zu schätzen gewusst.

DER STADTVERKEHR wechselt den Besitzer
Mit dieser Themenvielfalt, mit der auch der Autor dieser Zeilen ab Ende der 1970er Jahre immer wieder beitragen konnte, erreichte Stock ein breites Publikum in Fachkreisen und interessierten „Laien“. Dennoch wurde es Mitte der 1980er Jahre schwieriger, Anzeigen zu erhalten und keine Abonnenten zu verlieren. Das Angebot an Publikationen nahm stark zu, was auch den sich laufend verbesserten Möglichkeiten der Drucktechnik zu verdanken war. Auch entstanden neue Fach- aber auch Hobbyzeitschriften wie ab 1978 „Blickpunkt Straßenbahn“. Gesundheitlich fiel es Stock immer schwerer, seinen „Einmannbetrieb“ den Erfordernissen nach zu führen. Als sich 1985 dann auch die finanzielle Situation durch unvorhergesehene Ereignisse verschlechterte, traf er die Entscheidung, die Zeitschrift und den Verlag zu verkaufen. Im Freiburger Verlag „Eisenbahn-Kurier“ fand er einen Interessenten, der ihm sehr geeignet erschien, die Zeitschrift in seinem Sinne weiterzuführen. Nach 30 Jahren und 360 Ausgaben (Doppelnummern einzeln gezählt) erschien die Jahresendausgabe 11/12-1985 als letzte bei Werner Stock in Brackwede. Ab 1986 erschien die Zeitschrift mit dem neuen Namen „stadtverkehr“, aber mit Beibehaltung der Jahrgangszählung im 36. Jahrgang. Die bei Stock durchlaufende Seitennummerierung für das ganze Jahr wurde durch eine Einzelangabe je Heft ersetzt. Das der Wechsel erfolgreich war zeigt sich schon alleine daran, dass 2020 der 65. Jahrgang beginnt. Von der Historie hat man sich im Laufe der Jahre aber vollständig verabschiedet, da der Markt hier gute Alternativen (z.B. Strassenbahn-Magazin) bot.

Ein Obusbuch von Werner Stock
Die durch den Verkauf des Verlages gewonnene Zeit nutzte Stock dazu, sich einen Lebenstraum zu erfüllen und ein Buch über die geschichtliche Entwicklung des Oberleitungsbusses in Deutschland zu verfassen. Es gab in Deutschland nur noch wenige Systeme, so dass die Geschichte hier als weitgehend abgeschlossen betrachtet werden konnte. Es erschien 1987 im Bielefelder Hermann-Busch Verlag, wo Stock auch lange Jahre seine Zeitschrift hatte drucken lassen. Entstanden war mit „Obus-Anlagen in Deutschland“ das, was man gemeinhin als Standardwerk bezeichnet. Ende 1994 erlitt Werner Stock einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Im Februar 1996 verstarb er im Alter von 71 Jahren.
Fachwelt und Verkehrsfreunde haben Werner Stock durch seine langjährige publizistische Tätigkeit viel zu verdanken. Die gilt besonders für das Verkehrsmittel Oberleitungsbus. Es ist daher angebracht, sich auch 24 Jahre nach dem Tod mit Respekt vor seinem Lebenswerk zu verneigen. Stocks umfangreiche Bild und Materialsammlung konnte durch den Verleger Ludger Kenning aus Nordhorn übernommen werden, der sie im Sinne Stocks betreut und nutzt. Er hat in Erinnerung an Stock die Herausgabe einer mehrbändigen gegenüber dessen eigenem Buchs stark erweiterten Werkes über die Obusbetriebe begonnen, von dem bislang zwei Ausgaben erschienen sind. Auch zahlreiche Einzelveröffentlichungen aus dem Kenning Verlag haben das von Stock so geliebte Verkehrsmittel zum Thema gehabt.

Axel Reuther für den Verband Deutscher Verkehrsamateure e.V. (um die Fotos/Scans größer zu sehen, diese einfach anklicken…)


Tagungen und sonstiges Archivmaterial Stetza 


1948 Presse aus USA
1948 Programm
1948 Presse
1949 Programm
1949 Presse
1950 Presse
1951 Programm
1951 Teilnehmer
1951 Briefe
1951 Presse
1952 Programm
1952 Schiffslinien
1952 Briefe
1952 Presse
1952 Teilnehmer
1953 Programm
1953 Bericht
1953 Presse
1953 Teilnehmerliste
1953 Bilderrundsendung
1953 Verkehrsausstellung
1954 Programm
1954 Presse
1954 Teilnehmer
1954 Bilderrundsendung
1955 Programm
1955 Presse
1955 Teilnehmer
1955 Bilderrundsendung
1955 Sonstiges
1956 Programm
1956 Teilnehmer
1956 Presse


Wagenakte der Hamburger Hochbahn V6-Tw 3022 (ex 3087)

Wagenakte-HHA-Tw3022-Bremswegprotokolle
Wagenakte-HHA-Tw3022-Meldungen
Wagenakte-HHA-Tw3022-Pruefprotokolle_1
Wagenakte-HHA-Tw3022-Technische-Daten
Wagenakte-HHA-Tw3022-Werkstattauftraege
Wagenakte-HHA-Tw3022-Widerstandsmessung


Linktips 1999-2015 (von Blickpunkt Straßenbahn übernommen, dort ist diese Seite nicht mehr verfügbar) – einige der Links sind allerdings vermutlich nicht mehr aufrufbar (weil veraltet)