Blick zurück : Hershey-Bahn 2000

Ferrocarriles Electricos de Cuba
Die Verjüngungskur wirkt!

“El ferrocarril electrico se rejuvenece” steht auf manchen handgemalten Werbetafeln der Hershey-Bahn, zusätzlich findet sich in den “Bahnhöfen” (wie Matanzas, Hershey, Casablanca) eine Bedienungsanleitung für die “neuen” Züge: Etwa das Verbot, mit nacktem Oberkörper oder mit lebenden Tieren die Waggons zu benützen sowie der fürsorgliche Rat zur rechtzeitigen Verrichtung der Notdurft, da zum Unterschied zu den traditionellen roten Interurbans die grünen Vorortezüge von der Generalitat dels Ferrocarrils de Catalunya nicht mit Bord-WCs ausgestattet sind.

Also wird im Frühjahr 2000 der Großteil des Personenverkehrs mit den gerade 52 Jahre alt gewordenen spanischen Brill-Dreiwagenzügen abgewickelt: Einige der insgesamt 27 verschifften Trieb- Bei- und Steuerwagen stehen noch abgestellt zum Zweck der geringfügigen Adaptierungen auf den Freigeleisen der Central de Camilo Cienfuegos, der Großteil aber bedient die Fernstrecke La Habana-Matanzas mit nunmehr schon wieder 5 täglichen Zugpaaren, welche sich alle in Hershey kreuzen und einiges der wesentlich häufigeren Arbeiterzubringerverbindungen. Aber: Noch hat das letzte Stündchen für die beinahe 80-Jährigen Interurbans noch nicht geschlagen: Zumindest auf der Pendlerstrecke von Caraballo nach Hershey (Stadt) bzw. zur Zuckerfabriksstation in Hershey rattern und schlingern noch die stolzen roten Ungeheuer, auch wenn die improvisierten betonierten “Hochbahnsteige” auch entlang dieser Route bereits einen Einsatz der spanischen Garnituren ermöglichen könnten.

Zum Netz: Auf der Habanaer Seite werden 2 der täglichen Fernzüge von und nach La Coubre (Calle Egido/Hauptbahnhof) dirigiert, die Tagesrandverbindungen gehen von und nach Casablanca (vgl. BS5/99) Der Nahverkehr rund um Hershey wird nicht nur vom Bahnhof Hershey (Ciudad) selbst abgewickelt, sondern vielfach von der Station an einem Eingang der Zuckerfabrik unweit des Depots. Es werden als Ziele nicht nur häufig Caraballo und Jaruco angefahren, sondern mit einzelnen täglichen Fahrten auch Santa Cruz del Norte (Verladehafen und Rumfabrik “Habana Club”) sowie die neu hinzugekommene Strecke nach Playa del Este bedient.

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Neben den dem Personenverkehr dienenden Strecken wird auch weiterhin ein reger Güterzugverkehr aufrechterhalten, so unter anderem mit Kesselwagen – etwa zwischen Hershey und Sta.Cruz mit Umweg über die Abzweigungsstation Jibacoa – und natürlich die obligaten Erntezüge, die zwischen den Verladestationen und der Zuckerfabrik selbst verkehren. Diese laufen auch auf weiteren Strecken um Raum Caraballo und haben (so wie andere Zuckerrohrfeldbahnen auch) Anschluß ans Netz der staatlichen FCC. Zuletzt besteht in Matanzas eine Verbindung zur Hafenbahn, wobei dorthin nur unregelmäßig mit E-Loks bespannte Züge gelangen.

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Zu den Fahrzeugen: Der Original-Tw 3006 konnte an mehreren Tagen auf der Linie zwischen Caraballo und den beiden Destinationen in Hershey (Camilo Cienfuegos) beobachtet werden.

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↑ Tw 3006 in Caraballo, 15.4.2000

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↑ Tw 3006 auf dem Weg von Caraballo nach Hershey, 15.4.2000

Als besonderes “Prachtstück” steht insbesondere der neu in rot und grau frischlackierte und mit “TRANS HERSHEY” beschriftete 4x-Tw 3008 zur Verfügung (3009 wurde nicht gesichtet), der im Zuge seines Umbaus halbherablaßbare Alufenster erhalten hat und für Sonderfahrten auch angemietet werden kann. Von den übrigen Original-Brills und den roten Um- und Altbau-Fahrzeugen finden sich einige weitere Exemplare im Depot.

Die Hauptlast des Personenverkehrs liegt freilich bei den spanischen Garnituren. Auf der Lokalstrecke zwischen Hershey/Zuckerfabrik und Jaruco entstand nachstehende Aufnahme:

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↑ Tw 614 + Bw 813 + Tw 904 bei San Antonio, 15.4.2000

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↑ derselbe Zug am Streckenende Zuckerfabrik Hershey, 14.4.2000

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↑ Tw 403 +Bw 803 + Tw 506 als Mittagsplanzug nach der Zugkreuzung der Fernzüge in Hershey Stadt am 14.4.2000 am Weg nach Matanzas, begegnet einem dieselbespannten Erntezug

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↑ Drei einsatzbereite spanische Züge vor dem Depot Hershey nebst den Brill-Originalwagen 3006 / 3008 sowie 3 Güterzugsloks und dem Turmwagen 072, 14.4.2000. Hinter der rechten Dreiwagengarnitur verbirgt sich noch der Umbau-Tw 3021.

Nicht mehr im Liniendienst, aber wohl noch als strategische Reserve abgestellt sind die aus Güterwagen umgebauten Not-Personenwagen aus der Phase der bittersten Armut Cubas in der Mitte der 90er-Jahre.

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↑ Personenwagen 2156 mit liebevoll aus Busbestandteilen ergänzten “menschenwürdigen” Details, abgestellt in Hershey, 14.4.2000. Man beachte, daß diese Wagen auch vereinzelte Holzbänke als Charakteristikum der “Beinahe-1.-Klasse” aufweisen.

Fahrplan:

  • Ankunftszeiten für Hershey (Stadt) sind nicht angeführt.
  • Die Destination JARUCO fehlt auf diesem Plan, da sie nicht von Hershey Stadt, sondern von Hershey-Zuckerfabrik aus bedient wird, dies in einem stundentaktähnlichen Umfang.
  • Auch CARABALLO wird etwa stündlich bedient, davon startet ebenfalls die Mehrheit der Züge am Zuckerfabriksbahnhof.

Nicht vorenthalten, wiewohl im keinem Bezug zur FEC-Bahn, möge den Lesern eine Aufnahme von den derzeit “modernsten Errungenschaften” des Stadtverkehrs der Hauptstadt La Habana bleiben: Auf einigen farblich in der Fahrzeuglackierung unterschiedlich gekennzeichneten “Metrobus”-Schnellinien verkehren camello (Kamele) genannte “Niederflurfahrzeuge”. Diese Eigenbauungetüme, bestehend entsprechend der Improvisationskunst der einheimischen Karrosseriebauer aus Teilen der inzwischen sehr selten gewordenen Ikarus-Lizenz-Bussen, verdichten den Stadtverkehr, der mittlerweile von Importgeschenken aus Holland (u.a.Den Haag), Spanien (u.a. Tenerife) oder Frankreich (Toulouse, Lyon, Orléans etc.) abgewickelt wird.


↑ “Kamel” auf Linie M1 vor dem Capitolio, 14.4.2000

Dank an Dr. Peter Kafol für Text und Photos. Quellen: Adolf Hungry Wolf “Trains of Cuba” Skookumchuck/Canada, 1996″ & Maquetren “66” Madrid, 1998 sowie BS-Beiträge