Tagung 2005 (Belgien)
Samstag
2. Juli - Vortagung Luxemburg
Obwohl
die
Straßenbahn in Luxemburg bereits 1964 eingestellt
wurde, war das kleine Land 2005 ein lohnendes Ziel für die
Vortagung der jährlichen Zusammenkunft des VDVA, das bereits
mehr
als 40 der 66 Teilnehmer der Haupttagung anlockte. Zur Mittagszeit
holte uns ein historischer Sonderbus am Hauptbahnhof ab und brachte uns
in den Vorort Hollerich zum Depot der Verkehrsbetriebe. Dort war 1991
mit dem Bau einer Hauptwerkstatt auch eine schmucke Halle mit zwei
Gleisen als Straßenbahnmuseum erstellt worden. Vor dem
Gebäude standen zwei Straßenbahnzüge in der
Sonne zum
Fotografieren bereit. Bei einer Führung durch das Museum
konnten
wir in den Seitenbauten die Sammlung von Modellen aller
„letzebuergischen“ Straßenbahnfahrzeuge
und Omnibusse
von den Pferdebahnzeiten bis zur Einstellung bewundern. Die
Wände
sind bestückt mit Fotos und Unterlagen aller Art aus der
Geschichte des Betriebs. Auch die Halle beherbergt weitere
Erinnerungsstücke, wie z.B. Linienschilder oder eine alte
Schmiede. Und die informativen Texte zeigen, dass mit etwas
Übung
nach kurzer Zeit auch die luxemburgische Sprache von einem Deutschen
gut verstanden werden kann. Die kürzeste Sonderfahrt des VDVA
führte uns dann vom Depot knapp 100 m weiter bis zum
Gleisende,
und damit war das heutige Netz von Luxemburg vollständig
befahren.
Beim nächsten Besuch fahren dann hoffentlich bereits wieder
Stadtbahnen nach dem Karlsruher Muster in das Umland der Stadt
Luxemburg.
Dann
ging es mit
dem Sonderbus hinaus aufs Land, nach
Pétange,
wo uns ein kurzer Regenschauer empfing. Ein grün lackierter
Uerdinger Schienenbus nahm uns als „Train 1900“ auf
zu
einer Fahrt über den Tittelberg, in dem schon in historischen
Zeiten Bergbau betrieben wurde. Nach einem Photohalt mitten im Wald bei
einer Zugkreuzung mit einem Dampfzug zwischen Überresten von
Verladeanlagen landeten wir im Spitzkehrenbahnhof Fonds-de-Gras, von wo
uns ein von einer Diesellok gezogener Grubenbahnzug steil den Berg
hinauf und über eine weitere Spitzkehre zum Grubenstollen
brachte.
Dann der Höhepunkt: Eine elektrische Grubenbahn brachte uns zu
einem kleinen Museum mitten im Berg, in dem der historische Bergbau
hautnah demonstriert werden kann. Eine Chorgruppe luxemburgischer
Kinder war so angetan von unserem Zusammentreffen untertage, dass sie
uns ein Ständchen mit Liedern auch in Deutsch darbrachte.
Begeisterter Beifall war ihr Lohn. Ein Stückchen weiter in der
Finsternis des Stollens hielt unser Zug plötzlich an. Wer
wollte,
konnte trotz spannungsführender Oberleitung in nur gut
2 m
Höhe aussteigen und die Grubenbahn in der finsteren Grube aufs
Bild bannen. Am anderen Stollenende im Tageslicht ging es zu einem
kurzen Abstecher nach Saulnes zum Streckenende auf
französischem
Gebiet. Zurück in Lasauvage am südlichen Stollenende
nahm uns
wieder unser Sonderbus auf und brachte uns in die Stadt Luxemburg
zurück. Am Betriebsgelände stiegen wir um in einen
MAN-Doppeldeckerbus ex Berlin der Baureihe SD 77, der
für
Stadtführungen in allen Sprachen ausgerüstet war. Mit
ihm
fuhren wir zunächst durch den historischen Stadtkern, der auf
einem Bergrücken liegt und nur über lange
Brücken
erreicht werden kann. Weiter ging die Fahrt durch die modernen
Außenviertel mit ihren internationalen Banken und
Firmenniederlassungen. Den Abschluss bildete ein gemeinsames,
wohlschmeckendes Abendessen im urigen Lokal
„Zeutzius“ am
Stadtrand, von dem wir wieder mit einem ex-Berliner Bus in unser
Quartier gebracht wurden. Großen Dank an Remy Dhur, der das
Programm dieses Tages hervorragend organisiert hat und uns mit viel
Freude seine Heimatstadt zeigen konnte.

Straßenbahnmuseum Luxembourg mit den betriebsfähigen Museums-Tw 26 und 34 davor.

Im Museum stehen diverse Straßenbahnmodelle im Maßstab 1 : 8.

Ein Uerdinger Schienenbus des Train 1900 brachte die VDVA-Gruppe zur Grubenbahn Minièresbrunn.

Im Bergwerk fahren die Züge elektrisch, hier die Zuglok 39 des VDVA-Sonderzuges.

Fotohalt im Bergwerk. Eine kurze Bergwerksbesichtigung sowie eine
Gesangseinlage eines Kinderchores, der auch auf der Bahn unterwegs war,
rundeten die interessante Führung im
luxemburgisch-französischen Bergwerk ab.

Auf französischer Seite übernahm wieder eine Dampflok die beiden Sonderzüge.
Sonntag 3. Juli -
Anreise zur Haupttagung mit Besuch von belgischen
Vicinalbahnen
Der
Weg war das
Ziel an diesem Tag, nämlich der von Luxemburg
zu unserem Tagungsort Gent. Denn auf diesem Weg
liegt zunächst die Grottenbahn in Han sur
Lesse, leider bahntechnisch inzwischen ein Inselbetrieb.
Früher
war Han sur Lesse mit einer Lokalbahn von Jemelle aus erreichbar.
Später fuhr auf deren Trasse, die an einer Stelle wenigstens
noch
deutlich zu sehen war, ein Spurbus im Versuchsbetrieb. Nunmehr bleibt
nur noch die Landstraße, um mit einem normalen Bus dorthin zu
kommen. Aber am Ziel erlebten wir touristischen Hochbetrieb eines
sonnigen Sonntags, der um das Weiterleben dieser Bahn keine Sorgen
entstehen lässt. Unsere Gruppe wurde, da angemeldet,
vorgezogen
und erhielt einen eigenen Waggon zugewiesen, der uns schnell zum
Eingang der dortigen Tropfsteinhöhle brachte. Mit einer
deutsch-
und englischsprachigen Führung ging es sofort an der
Warteschlange
vorbei in die Grotte mit ihrem Auf und Ab zwischen imponierenden
Hallen, engen Gängen und dem Flussbett zu einem unterirdischen
See
mit Konzertmusik und Lichteffekten und einer Kahnfahrt auf dem Fluss
zum Grottenausgang, an dem genau richtig für uns nicht nur der
Restaurantbetrieb, sondern auch das Bahndepot liegt. So konnten wir in
der Mittagspause gut gesättigt die vollen Züge und
die leeren
in der Gegenrichtung an uns vorbeirollen lassen. Dazwischen erinnerte
immer wieder mal ein Kanonenschlag mit seinem Echo daran, dass die
nächste Gruppe die Grotte durchquert hatte.
Weiter ging es mit
unserem Bus nach
Pont d’Érézée, wo
ebenfalls im
sonntäglichen Ausflugsverkehr eine der früher
allgegenwärtigen belgischen
Überlandstraßenbahnen
betrieben wird. Ein neu errichtetes Bahnhofsgebäude, leider
mit
viel Sichtbeton, zeugt vom Erfolg der Museumsbahn
Tramway Touristique de l’Aisne, die durch
einsamen Wald
bis Forge à la Plez
führt, wo ein
Umfahrungsgleis mit Inselbahnsteig das Umsetzen der Triebwagen erlaubt
und die alte Strecke im Hintergrund verschwinden lässt. Auf
der
Rückfahrt ermöglichte unser Fahrer David Luycks
zahlreiche
Fotohalte, wobei er besonders auf die fotogene Gestaltung der Motive
achtete.
Schließlich
brachte uns der Bus zurück nach Jemelle,
von wo
wir mit der Eisenbahn weiter quer durch Belgien über seine
Hauptstadt Brüssel mit ihrem verwirrend großen
Eisenbahnnetz
zu unserem Standort Gent fuhren.

Triebwagenzug mit offenen Sommerwagen in Han-sur-Lesse. Die kurze Bahn
bringt die Besucher zur sehenswerten Grotte. Hier an der Abfahrtsstelle
in Han-sur-Lesse.

Zug der Grottenbahn Han-sur-Lesse in der Nähe des Betriebshofes, der natürlich auch besucht werden konnte.

Erezée: An der Endstation der planmäßige Museumszug
mit Autorail 133 sowie links der VDVA-Sonderzug mit AR 123.

Erezée: Fotohalt mit dem VDVA-Sonderzug mit AR 123.

Erezée: Der Planzug mit AR 133.
Montag, 4. Juli -
Küstenbahn
Am Morgen hatten
wir schon einen schlechten Start, als unser Zug in
Gent ohne große Ankündigung an einem anderen
Bahnsteig als
dem auf den Monitoren ursprünglich angezeigten stand. Ein Teil
unserer Gruppe erfuhr dies erst kurz vor der Abfahrtszeit. Da der Zug
pünktlich abfuhr, konnten diese Teilnehmer ihn nicht mehr
erreichen und waren auf die nächste Fahrtmöglichkeit
nach
Adinkerke angewiesen. Unterwegs zeigte sich schon, dass das Wetter an
diesem Tag es nicht so gut mit uns meinen würde. Die Wiesen
beiderseits der Strecke wirkten recht feucht, auf den Feldern standen
kleine Seen. Über Nacht musste es kräftig geregnet
haben. Und
als wir in Adinkerke in unseren Sonderzug einstiegen, fing der Himmel
schon wieder an, sich auszuleeren.
Dann gab es
Probleme, den Zug in die Streckenüberwachung
einzufädeln. Und in De Panne war die schöne
Sonderfahrt
an der Remise schon wieder zu Ende. Unsere Nachzügler fehlten
noch, unser Reiseleiter musste am Bahnhof auf sie warten,
draußen
regnete es. Die Probleme setzten sich leider fort, denn die eigentlich
vom Direktor zugesagte Sonderfahrt endete im Depot in
De Panne, wo
sich niemand vom Verein TTO-Noordzee so recht für uns
zuständig fühlte. So blieb nur noch das
„für den
Ernstfall angekündigt“ Programm B. Die Gruppe teilte
sich
auf, um auf eigene Faust die lange Strecke der Küstenbahn
abzufahren, im 60 km entfernten Endziel Knokke gepflegt in
einem
urigen Hotelrestaurant Mittag zu essen oder auf die Jagd nach den
Antwerpener „Hermelijnen“ zu gehen, die hier im
Sommer
aushelfen. Und doch trafen wir am Nachmittag wieder aus allen
Himmelsrichtungen zusammen, um an der zugesagten Besichtigung der in
Knokke abgestellten Museumswagen teilnehmen zu können. Sehr
viele
Wagen waren es da aber auch wieder nicht. Alles in allem ein geruhsamer
Tag, wie ihn sich viele Teilnehmer eigentlich eher in der Mitte der
Tagung wünschen.

VDVA-Sonderzug in De Panne-Adinkerke

Vor der Wagenhalle in De Panne stehen die betriebsfähigen
Museumswagen, bevor sie aufgrund des starken Regens in de Wagenhalle
gefahren wurden.

Weitere Museumwagen der Küstenlinie stehen in der Wagenhalle Knokke.

Die Linienwagen der Küstenlinie sind mittlerweile alle zu
Achtachsern mit Niederflur-Mittelteil umgebaut worden. Hier ein Wagen
in Knokke.

Aus Antwerpen erhält die Küstenbahn in diesem Jahr
Unterstützung durch vier Niederflurwagen. Hier ein Fahrschulwagen
in Oostende.
Dienstag, 5. Juli -
Charleroi
Gottseidank ist
Belgien nicht so groß, so dass man den
anderen
großen Restbetrieb des belgischen nationalen
Straßenbahnnetzes, Charleroi, von Gent aus in
anderthalbstündiger Bahnfahrt bequem erreichen kann. Hier
konnten
die Tagungsteilnehmer früherer Tagungen den Niedergang der
Überlandbahnen, das Entwickeln großer Pläne
und das
Aufgeben von Hoffnungen so richtig mitverfolgen. Unser Sonderwagen kam
pünktlich die Stadtbahnrampe zum Hauptbahnhof herunter und
nahm
uns auf zur Sonderfahrt über das inzwischen entstandene
unterirdische Stadtbahn- und das noch verbliebene
Straßenbahnnetz. Es ging vorbei an der Haltestelle Ouest, wo
wir
früher mal das Stadtdepot besichtigt hatten und von dem keine
Spur
mehr zu sehen war, über die so großzügig
ausgestattete
Stadtrandhaltestelle Beaux Arts mit dem dort auf einem Bahnsteig
stationierten Museumszug hinein in das neu entstandene Stadtnetz. Dort
gibt es die Strecke nach Centenaire, die zwar fertig ist, aber nie in
Betrieb genommen wird, und die Strecke nach Gilly, wo man nach der
Endstation eine lange, nicht befahrene Talbrücke am Horizont
in
einen Tunnel münden sieht. Auf der Stichstrecke nach Norden
erreichten wir die Hauptwerkstatt in Jumet und sahen die alte Strecke
Richtung Gosselies entschwinden. Aber wir konnten auch die alte
Straßenbahnatmosphäre einfangen, wenn unser
Sonderzug mitten
auf der Straße anhielt und die vom Personal aufgehaltenen
Autofahrer das Ende unseres Fotohalts abwarten mussten. Dann ging es
weiter auf die fertig gestellte Überlandstrecke mit eigenem
Bahnkörper über Brücken und an Ortschaften
vorbei
zunächst nach Petria. Dort machte es dem Personal unter
Leitung
des belgischen Straßenbahnfreundes William Bogaerts richtig
Spaß, die beiden Kehrgleise in jeder Richtung zu befahren und
damit für uns Fotos mit den jeweiligen Planzügen zu
ermöglichen. Weiter ging es dann bis zum heutigen Endpunkt
Anderlues und seinem Depot am Ortsrand, das wie in alten Tagen noch
benützt wird und von uns besichtigt werden konnte. Auch die
Arbeitswagen wurden für uns ins Sonnenlicht gestellt.
Die Museumsstrecke
Richtung Thuin ist in Anderlues nun leider vom Netz
abgetrennt worden. Wir fuhren mit einem Sonderbus nach Süden
und
konnten zunächst nur noch ahnen, wo die alte Strecke verlief.
Aber
ab Lobbes sind die Gleise noch vorhanden, und die Museumsbahn soll nach
der Fertigstellung einer neuen Brücke über die Sambe
den
Verkehr wieder bis dorthin aufnehmen. In Thuin selbst ist sie mit einem
klassischen Dieseltriebwagen voll in Betrieb, benutzt an Sonntagen das
neu gebaute Gleis in die Ortsmitte, das an Werktagen als Parkstreifen
genützt wird, und wechselt dort auch von der historischen
Strecke,
die der Eisenbahn entlang und durch eine Unterführung hindurch
führt, auf den Bahnkörper einer früheren
Nebenstrecke
der Eisenbahn. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände wurde ein
Museumsgebäude erstellt, das mit seinen vielen ausgestellten
Fahrzeugen Zeugnis von der Vicinalbahngeschichte der Region Charleroi
gibt. Für uns pendelte der Triebwagen gleich dreimal die
Strecke
auf und ab und bot so viele Fotomöglichkeiten.

Vor Eintreffen des Sonderzuges konnten am Bahnhof Charleroi-Sud Aufnahmen gemacht werden.

Mit Tw 7443 wurde das Metronetz abgefahren. Hier der VDVA-Sonderwagen in Jumet.

Auf der Überlandbahn kurz vor Anderlues wird der VDVA-Sonderwagen durch einen Plankurs überholt.

Vor dem Betriebshof in Anderlues gibt es noch ein klein wenig SNCV-Atmosphäre.

Die Arbeitswagen des Btf. Anderlues wurden für die Fotografen ans Tageslicht gefahren.

Thuin-Museum: Ein vorbildliches SNCV-Museum

Thuin-Museum: Mit dem AR 86 wurden auf der derzeit nur kurzen, aber
attraktiven Strecke drei Pendelfahrten für den VDVA angeboten.

Thuin-Museum: Sonderfahrt mit AR86.

Thuin-Museum: Vor dem Museum passiert AR86 einen SNCV-Überlandstraßenbahnwagen.
Mittwoch,
6. Juli
2005 - Gent und Mitgliederversammlung
Am Mittwoch wurde
uns im Betriebshof Gentbrugge in einem Vortrag durch
Herrn Ruwisch aus Antwerpen, der extra für unsere
deutschsprachige
Betreuung angefordert worden war, der Genter Verkehrsbetrieb
vorgestellt. Wir hatten Herrn Ruwisch bereits bei der Tagung 2003 in
Antwerpen kennen gelernt. Dann nahm uns der PCC‑Tw 01 auf und
brachte uns an markante Stellen des Netzes. Die zahlreichen Fotohalte
vor den prächtigen alten Häusern der Innenstadt, vor
allem am
Korenmarkt und Gravensteen, aber auch an der baumumstandenen Kaimauer
der Endstation Muidebrug brachte eine reiche Bildausbeute. Auch das
Hinterstellgleis südlich von Rabot wurde befahren. Dabei
erregte
die Menge der Fotografen, die das Ein- und Ausfahren in dieses Gleis
und das Vorbeifahren der Planzüge aufs Bild bannten, schon
einiges
Aufsehen. Leider ist die einzige Obuslinie in Gent nicht in Betrieb,
nur die weiterhin hängende Oberleitung kündet von
ihrem
Vorhandensein. Nach der Rückkunft von der Sonderfahrt konnten
wir
nicht nur den historischen Dreiachser-Straßenbahnwagen,
allerdings leider nur in der Halle, sondern auch einige der im Depot
hinterstellten Obusse fotografieren, von denen einer sogar gerade einer
Wäsche unterzogen wurde. Ein kräftiger Regenschauer
konnte
uns nicht abhalten, mit Linienwagen die übrigen Strecken
abzufahren, vor allem die Außenstrecken nach Evergem und zur
Flanders Expo. Nur die Strecke nach Moscou war wegen Baustellen in
Ledeberg und an der Endstelle nicht in Betrieb. Sehr groß ist
das
Genter Netz nicht, so dass bis zum Beginn der Mitgliederversammlung
alle Teilnehmer wieder pünktlich im Hotel sein konnten. Zum
Abschluss des Abends zeigte uns unser Ehrenmitglied Frits van der Gragt
aus seiner reichen Sammlung großformatiger Dias einen weiten
Überblick über die letzten dreißig Jahre
des
größten Straßenbahnbetriebs der Welt, der
belgischen
nationalen Kleinbahngesellschaft, Bilder von nicht mehr existierenden
Strecken und Betriebshöfen, aber auch von Stellen, an denen
das
Andenken an diesen Bahnbetrieb weiterhin aufrecht erhalten wird.
Großer Beifall war sein Lohn.

PCC-Tw 01 als VDVA-Sonderwagen in der Wendeanlage am Bahnhof Gent-St. Pieters.

PCC-Tw 01 passiert die historische und sehenswerte Altstadt von Gent.

An der Haltestelle Rabot wird der VDVA-Sonderwagen 01 von einem planmäßigen Kurs der SL 4 passiert.

Der 3x-Museumswagen 339 konnte leider nicht ans Tageslicht gebracht
werden, also gab es eine kurze Hallenbesichtigung für die
VDVA-Teilnehmer.

Am Nachmittag blieb genug Zeit, die schöne Innenstadt von Gent z.B. während einer Bootstour kennenzulernen.

Die Niederflurwagen bestimmen das Bild der Genter
Straßenbahnlinie 1, hier die Neubaustrecke zur Flanders Expo. Im
Hintergrund das VDVA-Hotel Ascona.
Donnerstag, 7. Juli 2005, Brüssel Straßenbahn
Nur ein Tag für das riesige Straßenbahnnetz von
Brüssel, da muss man sich beschränken auf markante
Punkte im
Netz. Die Anfahrt von Gent her dauert ja dank der
Eisenbahn-Neubaustrecke aus den dreißiger Jahren des
vergangenen
Jahrhunderts nur eine halbe Stunde. Begrüßt wurden
wir vom
Communication-Manager Roland De Coster, die Fahrt hatte Dominique Stas
mit viel Liebe vorbereitet. Aber dann gab es Straßenbahn pur
bis
zum Abend. Leider waren dank der feuchten Witterung die Fenster des
historischen Gelenktriebwagens 4032 leicht beschlagen, so dass wir von
der Schönheit der Stadt leider nicht sehr viel sehen konnten.
Aber
der vorbereitete Netzplan mit eingezeichneter Fahrtroute ließ
uns
doch immer wissen, wo wir uns gerade befanden. Die Route
führte
vom Südbahnhof mit seinem Gleisgewirr zur Endschleife der
Linie 19
Groot Bijgarden, von da über die Außenringstrecke
vorbei am
Weltausstellungsgelände von 1958 durch ehemalige
Vicinalbahntunnels, die nun von der normalspurigen
Straßenbahn
genutzt werden, zur Endschleife am Bahnhof Schaerbeek. An der dortigen
Endhaltestelle konnten wir vor dem markanten Bahnhofsgebäude
unseren Sonderzug nach Belieben alleine oder zusammen mit wendenden
Planzügen fotografieren. Auf der Weiterfahrt kamen wir an
einen
Verkehrskreisel mit vier Zulaufstrecken. Da dort starker Linienverkehr
herrscht, hätten wir zum Fotografieren nur kurz stehen bleiben
können. Daher haben wir den Kreisel mehrfach umrundet, so dass
die
unterschiedlichsten Verkehrssituationen auf Foto und Video dokumentiert
werden konnten. Gleich einige Kreuzungen weiter liegt eine Schleife an
der Kirche Ste-Marie. Dort mussten wir schon ein Stück weit
weggehen, um unseren Zug vor dem mächtigen Turm aufs Bild zu
bekommen.
Straßenbahnkreisel gibt es mehrere in Brüssel, der
nächste war an der Barriere de St. Gilles. Und auch hier
konnten
wir von außen beobachten, wie unser Zug sich mit dem
Straßenverkehr zusammen um den Kreisel quetschen und an der
richtigen Stelle wieder die Ausfahrt erkämpfen musste. Leider
war
die Strecke, die an der Werkstatt Ixelles direkt vorbei führt,
wegen Bauarbeiten gesperrt. Deswegen war ein Umsteigen in einen dicht
besetzten Linienbus notwendig, der uns auf Umwegen dorthin brachte.
Gleich an der Haltestelle lud eine Metzgerei zum Auffrischen der
Essensvorräte ein, aber die Hartgesottenen scheuten den
Fußmarsch zum Depot nicht und ließen sich in zwei
Gruppen
durch die Werkstätten führen. Nach dieser
Mittagspause ging
es mit dem 1935 gebauten Vierachser 5008 weiter zur Endstelle Dieweg,
wo die Linie 18 planmäßig in einem Gleisdreieck
wendet, bei
dem sie über eine ampelgeregelte Kreuzung gegen den
Straßenverkehr zurückstoßen muss. Auch die
belgischen
Autofahrer parken gerne verbotenerweise auf der einzigen Fahrspur neben
dem Gleis. Der wendende Straßenbahnzug soll
zurückfahren,
wird aber durch die Fahrzeuge, die auf sein Gleis ausweichend und
hinter ihm stehen, daran gehindert. Irgendwie wurde die Situation aber
doch immer wieder gemeistert. In direkter Fahrt ging es dann vom
Süden Brüssels in den Osten nach Stockel, von wo auf
der
Trasse der ehemaligen Privateisenbahnlinie nach Tervuren eine
Schnellstraßenbahnlinie bis zur heutigen Endstation Ban Eik
eingerichtet wurde, wo auf freiem Feld in einem Gleisdreieck gewendet
wird. Ein Wanderweg führt über den Rest der Trasse
nach
Tervuren. Wir aber fuhren zurück zu unserem Tagesziel, dem
Straßenbahnmuseum in Woluwe. In einer Führung wurden
uns
seine Schätze vorgestellt. Auch pendelte in dieser Zeit ein
Zweiachser-Oldtimerzug für uns vom Museum zur
nächstgelegenen
Schleife Montgomery entlang einer Allee, so dass sich schöne
Fotogelegenheiten auf der ganzen Strecke boten. Schließlich
war
es Zeit, vom Museum aus in einem kurzen Spaziergang das Restaurant am
nahen See in diesem Ausflugsgebiet aufzusuchen. Dort war das ganze
Obergeschoß nur für uns reserviert, und wir konnten
bei
einem wohlschmeckenden Abendessen nach Wahl die Haupttagung ausklingen
lassen. Noch einmal brauchten wir die Straßenbahn, um von
Woluwe
aus die Metrostation Montgomery zu erreichen, von wo uns die Metro zum
Südbahnhof und die Eisenbahn zurück nach Gent brachte.

2+2x-Tw 4032 erreicht die Haltestelle Gare Midi (Südbahnhof), wo die VDVA-Teilnehmer zusteigen konnten.

Jeder Kreisverkehr in Brüssel wurde für Fotorunden genutzt, so auch hier die Umfahrung einer Kirche in Schaarbeek.

Arbeitswagen im Btf. Ixelles.

Am Nachmittag kam der 1935 gebaute Tw 5008 für den VDVA zum
Einsatz. Hier bei einer Fotorunde in Barrière de St-Gilles.

In St. Denis nutzte Tw 5008 das Abstellgleis. Über die
Doppelkreuzweiche musste der Wagen nach dem Fotohalt wieder
zurückrangiert werden. Der Linienwagen 7724 rechts trägt
Ganzreklame für das Trammuseum Woluwe.

Tw 5008 auf der Express-Linie 39 zwischen Ban Eik und Stokkel.

Das Tram-Museum in Woluwe mit seinen vielen toll restaurierten
Fahrzeugen ist eine Augenweide für alle Straßenbahnfans.

Mit dem 2x-Zug Tw 1064+Bw 102 wurde zweimal nach Montgomery gependelt - einmal zum Fotografieren, einmal zum Mitfahren.
Freitag, 8. Juli 2005, Spuren der Kleinbahngesellschaft, Metro
Brüssel
Nein, noch war die Haupttagung nicht ganz abgeschlossen. Zwar reisten
viele Teilnehmer schon mit ihrem Gepäck nach Brüssel,
um am
selben Tag wieder zu Hause zu sein. Zunächst aber nahm uns in
Brüssel-Süd ein Linienbus als Nachfolger der
Kleinbahn auf zu
einer Fahrt ins westliche Umland. Es lockte der Kleinbahnhof in
Schepdaal, der als Museum von der Gemeinde unterhalten wird, zur Zeit
aber wegen Bauarbeiten geschlossen ist. Ein inoffizieller Besuch
erlaubte uns einen Blick in die Vergangenheit. Eine
vollständige
Gleisanlage, ein gepflegtes Bahnhofsgebäude, ein kleines
Wasserhaus, der Lokschuppen und im Hintergrund eine Triebwagenhalle
versetzen den Betrachter in die gute alte Zeit. Nach einer
Führung
durch den „Museumsleiter“ Günter Pfeiffer
und
Erklärungen der Wagen aus der Dampf- und Dieselzeit bis zu den
schnittigen Großraumwagen der 1930er-Jahre wünscht
man sich
eine baldige Wiedereröffnung mit einem Bahnhofsbetrieb wie
damals.
Nur die Kleinbahnstrecke auf der breiten Autostraße von
Brüssel her bis Ninove wird nicht mehr lebendig werden.
Ein Linienbus brachte uns wieder zurück nach Brüssel
zum
Nordbahnhof. Die Mittagspause konnte man zur Besichtigung des kleinen
Eisenbahnmuseums im ersten Stock des Bahnhofsgebäudes
nützen,
in dem vor allem Lokomotivmodelle und andere Schaustücke aus
der
Geschichte der belgischen Staatsbahn zu sehen sind. Und dann stand der
letzte Punkt unserer Tagung auf dem Programm, eine Führung
durch
die Bahnhöfe der Brüsseler Metro. Erst durch die
erklärenden Hinweise unseres Führers Dominique Stas
wurde
klar, wie viele Kunstwerke in diese Zweckbauten integriert wurden, an
denen man sonst mit gesenktem Haupt auf seinen Weg achtend einfach
vorbeiläuft. Dominique hatte für uns unter anderem
die
Bahnhöfe Bourse mit einem Querschnitt durch die
Straßenbahngeschichte, Alma mit seiner
„Baum-Architektur“, Stockel mit zwei langen Comics
an den
Bahnhofswänden über den in Belgien populären
Reporter
Tintin, Vandervelde mit Wandgemälden unserer Umwelt zu
verschiedenen Jahreszeiten und Hankar mit umstürzlerischen
Bildern
an den Querwänden des Treppenhauses ausgewählt. Aber
auch die
Bautechnik mit den Schwierigkeiten des Brüsseler Untergrunds
kam
nicht zu kurz. Für sein großes Engagement bei der
Organisation der Führungen durch Brüssel sei ihm
herzlicher
Dank gesagt. Dies gilt auch für alle anderen Organisatoren in
den
Städten und Betrieben, ebenso für das Fahrpersonal
und die
Zugbegleiter.

Vor der Erkundung des Brüsseler Westens konnten am
Südbahnhof noch PCC-Wagen auf der Linie 83 fotografiert werden. Diese
Linie wird in absehbarer Zeit durch die verlängerte U-Bahn-Linie 2
ersetzt.

Im U-Bahnhof Rogier endet die Linie 90
in einer unterirdischen Wendeanlage. Die anderen Linien des
Nord-Süd-Tunnels fahren noch eine Ebene tiefer. Der Bahnhof war der
erste einer interessanten Reise mit der Brüsseler Metro.

Im Bahnhof Bourse (Börse) gibt es ein schönes und interessantes Gemälde
mit Straßenbahnmotiv. Die VDVA-Gruppe lauscht den Erläuterungen von
Dominique Stas. Die U-Bahn-Führung bedeutete gleichzeitig Ende der
VDVA-Tagung 2005.
Fotos: Ingo Teschke,
Gruppenfoto: Günter Pfeiffer